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„Bayerisch ist doch eine Weltsprache“ Schwäbische Zeitung vom 18.11.2016

Friedrichshafen/ sz: 35 Jahre lang war der Musiker und Texter Hans Well als Teil des volksmusikalischen Kabarett-Trios Biermösl Blosn unterwegs. Dann mochten die Brüder nicht mehr miteinander, jetzt ist Well mit seinen drei Kindern Jonas, Sarah und Tabea unterwegs. Im Gespräch mit Martin Hennings verrät er, welche Rolle die CSU für ihn spielt, wie Spottlieder gerade in diesen Zeiten helfen können und warum seine neue Combo „bis auf eine Ausnahme“ hübscher ist als die alte. „Ich bin schon froh und dankbar, dass die Drei mit mir altem Dackel noch spielen“: Hans Well.

 

Biermösl-Erben, Biermösl-Nachfolger, Biermösl 2.0: Nervt es Sie eigentlich, dass Ihre neue Combo Wellbappn – nicht nur von den Medien – immer mit der Biermösl Blosn verglichen wird?

Nein, gar nicht. Die Biermösl Blosn war 35 Jahre lang Teil meines Lebens. Ich bin der älteste der drei Brüder, ich habe alle Texte geschrieben. Die Biermösl Blosn war auch stark von mir geprägt.

Wie viel Biermösl steckt denn in den Wellbappn?

Also die Texte sind immer noch von mir. Die Musik kommt aber von meinen Kindern, die zwischen 20 und 25 sind. Sie sind jünger, frischer, weiblicher und mit meiner Ausnahme auch schöner.

Ist das nicht komisch, wenn man als Vater mit dem eigenen Nachwuchs in einer Musikgruppe professionell zusammenarbeitet?

Das habe ich am Anfang auch gedacht. Zunächst war ich ja auch mit zwei anderen Musikern unterwegs. Sarah, Tabea und Jonas waren dann mal bei einem Auftritt dabei und haben danach gefragt: Warum spielst du denn nicht uns zusammen? Wir haben das dann in Augsburg ausprobiert und eine Bombenkritik bekommen. Mir sind dann die Argumente dagegen ausgegangen.

Der Anstoß kam also vom Nachwuchs? 

Genau. Die sind natürlich auch mit Musik groß geworden. Seit sie vier Jahre alt sind, wurden sie musikalisch zwangssozialisiert. Das Geld, das ich da reingesteckt habe, hole ich mir jetzt gnadenlos wieder zurück. Die „Lindauer Zeitung“ hat mal geschrieben, wir seien die Biermösl Blosn nach einer Frischzellenkur. Mit meinen Kinder ist das möglich, was mit meinen Brüdern in den letzten paar Jahren nicht mehr funktioniert hat: aktuelle Themen schnell auf die Bühne bringen. 

Erst die Brüder, jetzt die Kinder: Man gewinnt den Eindruck, der Hans Well kann nur im Familienverbund musizieren.

Ich könnte auch anders, mag aber nicht. So gefällt’s mir am besten, mit den Wellbappn ist der Spaß am Auftreten zurück und der ist unbezahlbar.

Die Vater-Kind-Beziehung spielt auf der Bühne keine Rolle? 

Nein, ich fühle mich gleich alt, auch wenn ich weiß, dass ich’s nicht bin. „Gleichberechtigt" wäre das bessere Wort. Oder anders gesagt: Ich bin schon froh und dankbar, dass die Drei mit mir altem Dackel noch spielen. Früher hab ich sie zum Üben gezwungen, jetzt ist´s umgekehrt.

Nicht alle jungen Menschen mit Anfang 20 stehen auf Volksmusik. Ihre Kinder offenbar schon.

Ja, sie sind es ja auch gewohnt. Tabea, die mittlere Tochter, hat sogar mit Volksmusik ihr Geigenstudium begonnen. Gerade im Oberbayern erlebt echte Volksmusik momentan eine Renaissance. Aber natürlich haben wir auch andere Stilrichtungen im Programm.

Weg von der Familie, hin zum Lieblingsfeind: Ohne die CSU hätten Sie ein Problem, oder?

Die CSU regiert halt seit 60 Jahren, das macht als Satiriker mehr, als Bürger weniger Spaß. Aber die Partei hat auch echte Humorgranaten in ihren Reihen wie Edmund den Stammler. Politik prägt nun mal unsere Gesellschaft.

Man könnte meinen, ein Regierungswechsel in München sei Ihr größter Alptraum.

Nein, nein, ich bin ja auch noch ein Privatmensch. Demokratie lebt vom Wechsel, es täte Bayern schon gut, wenn mal durchgelüftet würde. Ansonsten finde ich die Art, wie Gabriel den Klimaschutzplan rasiert hat, auch nicht gerade berauschend. Außerdem überwiegen lustige Lieder über die Absurditäten unserer Gesellschaft im Programm.

Trotz all der Breitseiten gegen die Schwarzen sind sie am Donnerstag in Gröbenzell bei einer Demonstration aufgetreten, zu der auch die CSU aufgerufen hat. Eine Premiere, oder?

Ich fürchte: Ja. Wenn wir in Wackersdorf gespielt haben oder bei einer Demo gegen irgendeinen Betonwahnsinn, dann war die CSU der Gegner. In Gröbenzell ging es jetzt gegen die AfD, unter den Organisatoren der Demo war in der Tat die örtliche CSU. Es war natürlich nicht die Parteiführung, denn die befindet sich ja bei vielen populistischen Parolen in einem offenen Urheberrechtsstreit mit der AfD.

Bleibt Ihnen angesichts von Fremdenfeindlichkeit, Populismus und Rechtsruck nicht manchmal ein lustiges Lied im Hals stecken?

Ganz im Gegenteil. Spottlieder sind doch eine gute Möglichkeit, sich gegen Dumpfsinn zu wehren. Man kann damit die Lächerlichkeit dieser Figuren bloßstellen. Auch wenn es schon bedrohlich ist, was sich da zusammenbraut und viele Menschen für Fakten einfach nicht mehr zugänglich sind. Trotzdem, bis jetzt ist uns der Humor noch nicht verreckt, wie man in Bayern sagt.

Was erwartet denn die Besucher, die in Friedrichshafen oder Ravensburg zu „Hans Well & Wellbappn“ kommen?

Es wird sich garantiert niemand langweilen. Wir sind zudem absolut unbekannt vom Farbfernsehen.

Und fließend Bayerisch muss man auch nicht sprechen?

Bayerisch ist doch eine Weltsprache. Es hat auch in Südafrika und Japan funktioniert. Und neulich sogar in Düsseldorf.