Bayerisches Kabarett-Trio zieht kräftig vom Leder

von Vera Romeu

Photo Vera Romeu

Schwäbische Zeitung vom 19.November 2018

Im ausverkauften Hirsch-Saal haben Hans Well und die Wellbappen eine bayerische Kabarett-Show hingelegt, die kaum zu toppen ist. Bissig und scharfzüngig, humorvoll und ernst verkündet das Trio – bestehend aus Vater Hans, Tochter Tabea und Sohn Jonas – die ungeschminkte Wahrheit über Bayern. So wie die drei über Bayern vom Leder ziehen, mag so mancher Landsmann rot anlaufen – aber als Einheimische dürfen die drei den bayerischen „Nationalstolz“ ganz ungestraft verletzten.

Zwar ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Bayerns Politiker Schwächen haben, aber Well und die Wellbappn halten ihnen besonders schonungslos den Spiegel vor. Sie liefern kritisches Kabarett vom Feinsten und musizieren dazu: Lässig und souverän wechseln sie die Instrumente. Mit einem Reimstück über die heiklen Themen der Gemeinden rund um Hausen überraschte und überzeugte das Trio sein Publikum gleich zu Beginn. In puncto heikle Themen sei die Region sehr ergiebig, stellten die Künstler fest. Sie trugen ihre Beobachtungen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit vor und ließen dabei nichts aus: Die Ablacher Feuerwehr sei in einen derart heftigen Konflikt mit dem Bürgermeister geraten, dass die internationale Gemeinschaft dorthin bald Blauhelme schicken werde. Beim Sommerfest in Krauchenwies habe es deswegen schon Spieß-Braten gegeben. In Rulfingen würden demnächst womöglich Windräder aufgestellt, damit sich dort wenigstens etwas bewege. Abgesehen davon, tönte das Trio, könne man sich in ganz Oberschwaben darauf verlassen, dass wer schwarz wählt, auch schwarz baut. Für ihre freche Abhandlung ernteten die Künstler kräftigen Applaus.

Dann stieg das Trio in die bayerische Politik ein und legte noch mal eine Schippe drauf. Ihre Opfer: Die drei CSU-Politiker Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Dobrindt. Seehofer habe alleine nach Berlin ziehen müssen, weil die CSU den Familiennachzug verbiete. Inzwischen wünschten sich die Bayern trotzdem schon eine Abwrackprämie für das Auslaufmodell Seehofer, verkündeten die Kabarettisten. Und bei Söder gehe es nicht blöder, außer wenn Dobrindt rede. Das Gute daran: alles, was Dobrindt von sich gebe, könne direkt in eine Biogasanlage eingespeist werden.

Hans Well outete sich als pathologischer Kinder-Hasser: Zu viele Kinder gingen in Bayern aufs Gymnasium, also tue er als Lehrer alles, um möglichst viele fertig zu machen. Das Ministerium unterstütze dies: Denn dort säßen schließlich lauter ehemalige Lehrer, die es nicht mehr ausgehalten hätten. Besonders bissig kritisierten die Bayern ihr Nachbarbundesland mit ihrem „Sachsenlied“, in dem das Bundesland kurzerhand ins Nachbarland abgeschoben wird. Mit einem kräftigen „Amen“ des Publikums als Schlusspunkt zur Predigt gegen die Bigotterie der CSU endete ein großer Kabarett-Abend, der sicher noch lange in allen Herzen und Köpfen der Zuschauer in Erinnerung bleiben wird.

Friedhofsmöbel in der Fußgängerzone

Hans Well und die Wellbappn bringen Volksmusik-Kabarett in die Angerhalle und nehmen Tuttlingen aufs Korn

Von Claudia Steckeler

Gränzbote von 19.11.2018

Foto: Claudia Steckeler

TUTTLINGEN - Mit ihrem Programm „Schneller“ haben Hans Well und seine Wellbappn am Freitagabend die Bühne in der Angerhalle in Tuttlingen-Möhringen stürmisch erobert: Mit ihrem Mix aus gekonnt vorgetragener Volksmusik und satirischen, hintergründigen Texten zu aktuellen, brennenden Themen der Politik, Gesellschaft, Kirche, Umwelt, und Schule, über „Nahles, die Gschlamperte, Sigi, den Gwamperten“, haben sie das Publikum von Beginn an für sich eingenommen.

Auch wenn die Wellbappn an diesem Abend „nur“ als Trio – Jonas, Tabea und Vater Hans – auftraten, denn Sarah fiel krankheitsbedingt kurzfristig aus, überzeugten sie von Beginn an restlos. Furchtlos, manchmal bitterböse und ganz schön bissig, manchmal aber auch augenzwinkernd, nahmen sie bei ihren „Gstanzln“ mit spöttischer „Bappn“ alles singend unter ihre kabarettistische Lupe was momentan die Schlagzeilen beherrscht: Asylpolitik, Diesel-Skandal, Digitalisierung, Klimawandel, Seehofer und Söder. Hans Well, der für die Texte verantwortlich ist, findet dafür landauf, landab, global und international ein wahres Füllhorn an realen Vorlagen.

Spott über Tuttlingen

Köstlich, wie die Drei das Publikum auf den Abend einstimmten. Hatten sie sich doch vorab schon kundig gemacht und zunächst einmal Tuttlingen und seine Umgebung unter die kabarettistische Lupe genommen: Erstaunt zeigten sie sich über die Friedhofsmöbilierung in der neu gestalteten Fußgängerzone, oder das Internet in den Dörfern, das hier noch langsamer als die Sprache sei, dass die Züge einspurig fahren, weil der Verkehr auf die vierspurige Autobahn umgeleitet wird, oder den hiesigen Kindern der Begriff „Ewigkeit“ mit dem seit langem geplanten Umbau des Hauptbahnhofes erklärt werde.

Das Publikum geizte nicht mit stürmischem Beifall, und das „Eis war sofort gebrochen“. Hans Well und seine Wellbappn überzeugten nicht nur mit ab und an deftigen, respektlosen Texten, sondern bewiesen während des ganzen Abends ihre große Musikalität. Da wurden im Eil-tempo die Instrumente gewechselt, die den mehrstimmigen Gesang her-vorragend begleiteten: Jonas mit Tuba, Trompete, Kontrabass, einer Zither, Tabea mit der Steirischen, der Mundharmonika, der Gitarre, einem ausgefallenen Xylophon, und Vater Hans an den Gitarren. Sie sangen ab-wechselnd, moderierten abwech-selnd, wobei Vater Hans, das „Nachwuchstalent im Rentner- und Gicht-club“ von seinen Kindern immer wieder frozelnd sein „Fett“ abbekam.

Das Publikum feierte die Drei auf der Bühne mit stürmischem Applaus, Pfiffen und begeisterten Zwischenrufen, genoss deren bayrische Wortspiele, die allerdings aufgrund des „Boarischen“ die volle Aufmerksamkeit forderten. Gerne machte das Publikum in der Angerhalle auch mit, wenn es darum ging, lautstark den Refrain „Aloah he“ zu singen, als schwäbischer Andalusier rhythmisch mitzuklatschten, oder auf dem Stuhl mit dem Nachbarn fast schon einen Plattler hinzulegen.

Gewitzt, hintergründig, satirisch

Immer wieder wurde der gewitzte, hintergründige, satirische Abend mit einer Prise Quatsch, wie „Ich hasse Kinder, besonders in Horden/deshalb bin ich Lehrer geworden“, dem „Freundschaftsspiel“ der Fußball-F-Jugend mit den übermotivierten Müttern, oder mit reinen Musikstücken „abgeschmeckt“, wie dem von Tabea auf der Geige super gespielten Ausflug in die ungarische Musikwelt.

Köstlich, das Lied von der Pfingst-lut 2013, „schau, wias regna duat, wias giaßt, s‘ Wasserl vom Dacherl wird zum Bacherl“, das allerdings die Versiegelung der Böden auf’s Korn nimmt. Beendet wurde das Pointen-Feuerwerk dann mit der neu getexteten und in Möhringen uraufgeführten Sachsen-Hymne, die zumindest bei Badenern und Schwaben super gut ankam.

"Nach der Wahl wird von Bayern aus ein Raumschiff starten"

Verkehr, Energie, Flüchtlinge: Wo die CSU besonders konservativ sein will, vergrault sie Wähler, sagt Ex-Biermösl-Blosn Hans Well. Der Musiker vertritt das andere Bayern. Interview von Tobias Timm ZEIT ONLINE vom 09.Oktober 2018

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Heimatlied

Bitterböse Heimatlieder

Ein furioser Auftritt in der Schwabhausener Post: "Die Wellbappn" blasen den Bodenversieglern und Landschaftsverschandlern in Bayern den Marsch - mit beißendem Spott und virtuoser Musikalität

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Hörproben1_RotesBayern

Hörproben2_Rotes Bayern

Schaurig-schöne Reise zu den Ursprüngen

100 Jahre Freistaat: „Rotes Bayern“: Ein grandioses Hörspiel von Hans Well und den Wellbappn zum Jubiläum

Florian Sendtner

Bayerischer Staatsanzeiger vom 01.Juni 2018 

Hundert Jahre Freistaat! Während die Redenschreiber von Markus Söder jetzt schon schwitzen, was sie ihrem Chef ins Manuskript für die Gedenkfeier am 8. November schreiben sollen, hat Hans Well schon mal kräftig hingelangt. Der jahrzehntelange Leadsänger der Biermöslblosn und jetzige Kopf der Wellbappn führt in einem gut zweistündigen Hörbuch die Revolution von 1918/19 so plastisch vor Augen, dass es wehtut.

Im November diesen Jahres wollte Horst Seehofer das Museum der bayerischen Geschichte in Regensburg einweihen. Aber da kam einiges dazwischen. Erstens ein Brand auf der Museumsbaustelle, der die Fertigstellung um Monate verzögerte, zweitens ist Seehofer mittlerweile nicht mehr in der passenden Funktion für die Eröffnung. Und drittens ist ihm jetzt Hans Well zuvorgekommen. Denn der Textschreiber der Biermöslblosn, der nach deren Ende nahtlos mit seiner neuen Formation Wellbappn weitermachte, hat sich in das Museum der bayerischen Geschichte eingeschlichen, noch bevor es glanzvoll eröffnet werden konnte.

Subversiv, wie es seine Art ist, ist Hans Well in den Museumskeller eingestiegen – natürlich nur im Geiste. Und er hat eine ganze Combo von Freunden mitgebracht. Nicht nur seine komplette Familie (Familie im engeren Sinn: seine Frau Sabeeka Gangjee-Well als Co-Autorin und seine drei Kinder als Musikanten), sondern auch den Schriftsteller Gert Heidenreich und die Schauspieler Heinz-Josef Braun, Bernhard Butz, Gisela Schneeberger und Johanna Bittenbinder.

Das Ergebnis ist ein Hörbuch vom Feinsten, das in gut zwei Stunden die Geburt des Freistaats Bayern vor hundert Jahren erklärt, so amüsant wie möglich und so drastisch wie nötig. Denn die famose Gesellschaft erkundet unter der resoluten Führung von Gisela Schneeberger die Katakomben des Museums der bayerischen Geschichte, und zwar insbesondere die bislang nicht zugängliche „Abstellkammer der Münchner Revolution 1918/19“. Es beginnt mit dem Ersten Weltkrieg, mit den Eroberungshalluzinationen von König Ludwig III. (Elsass, Antwerpen), denen in der Realität nur Hunger und Tod gegenüberstehen. Fast in jeder Familie ist entweder der Vater oder ein Sohn gefallen. Die Runkelrübe avanciert zum Hauptlebensmittel, Professoren beweisen, dass Kleie denselben Nährwert hat wie Mehl, doch die Theorie „dringt nicht bis zum Magen“. Es gibt Hungerdemonsrationen und schließlich die ersten Munitionsarbeiterstreiks. Und Hans Well intoniert „Ich hatt einen Kameraden“ und später die Hungerparodie „Ich hatt einen Schweinebraten“.

Mit vielen Originaltexten von 1918/19, teils von den üblichen Verdächtigen wie Oskar Maria Graf und Felix Fechenbach, teils von nicht ganz so Bekannten wie dem Münchner Rechtsanwalt Max Hirschberg, wird das Geschehen vor hundert Jahren lebendig, und die (immer kurzen) Lieder und Musikstücke MarkeWell sorgen für beste Unterhaltung.  Da stellt jemand aus der Besuchergruppe die Frage: „Hats denn die SPD damals gleich zweimal geben?“

Es folgt die Erklärung der Spaltung der SPD in Unabhängige (USPD) und Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) 1917, und der Anführer der USPD, Kurt Eisner, der am 7./8. November 1918 entschlossen den Freistaat ausruft, wird aus ungewöhnlicher Perspektive porträtiert. Victor Klemperer, bekannt durch sein Jahrhunderttagebuch, beschreibt Kurt Eisner aus nächster Nähe so: „Der Witz ersetzt ihm fast immer das Pathos.“

Wer könnte die Verwunderung besser ausdrücken als Gisela Schneeberger mit ihrer spitzen Stimme: „Sie müssen sich des amal vorstellen: Eine Revolution in Bayern! In München! Von die Roten! 750 Jahre Wittelsbach erledigt! Ruckzuck! Aus, Äpfe, Amen!“ Und das ohne einen Tropfen Blutvergießen. Bis zur Ermordung Eisners. Von dem der Satz stammt: „Jedes Menschenleben soll heilig sein.“ Nach dem millionenfachen Töten im Weltkrieg war das kein übertriebenes Pathos. „Der Eisner und de andern geben uns des Menschenrecht / Ganz wurscht, wo oaner herkimmt, koaner is vo Haus aus schlecht“, heißt es in einem Lied.

Das klingt vielleicht simpel, aber genau das war 750 Jahre lang unverrückbare Grundlage der Gesellschaftsordnung: Knecht bleibt Knecht. Und reimt sich auf schlecht. Es ist einiges geboten in diesem halben Jahr von November 1918 bis Mai 1919. Vom Autounfall mit tödlichem Ausgang für den revolutionären Bauernbündler Ludwig Gandorfer bis zum Flugzeugabsturz, den der Schriftsteller Ernst Toller überlebt, der bei der Verteidigung Münchens gegen die Freicorps zunächst erfolgreich ist.

Doch Anfang Mai 1919 wird die bayerische Räterepublik, zu der sich der Freistaat unter dem Druck der Ereignisse fortentwickelt hat mit Stumpf und Stiel ausgemerzt. Erich Mühsams Lied vom Revoluzzer, der im Zivilstand Lampenputzer ist, feiert in einer Well-Vertonung fröhliche Urständ, und Zenzl Mühsam schreibt einen herzzerreißenden Brief an ihren allerliebsten Gatten.

Am Ende, nach der Niederschlagung der Revolution, geht Oskar Maria Graf ins Leichenhaus am Ostfriedhof. Die wenigen Gefallenen der Weißen sind blumenbeladen und mit weißblauen Bändern aufgebahrt, aber niemand geht zu ihnen. Alle strömen zu einem kellerartigen Nebengebäude, in dem die übel zugerichteten Leichen der Arbeiter auf dem Boden liegen. Graf taumelt von einem Toten zum nächsten, bei hundert hört er zu zählen auf. Es folgt das Lied vom Alten Peter und der Münchner Gemütlichkeit, die niemals ausstirbt.

Neue CD "Rotes Bayern- es Lebe der Freistaat"

Erschienen: 29.05.2018

 Gesprochen von Bernhard Butz, Johanna Bittenbinder, Gisela Schneeberger, Heinz-Josef Braun, Gert Heidenreich, Hans, Sarah, Tabea und Jonas Well.

Musik und Lieder von Hans Well und den Wellbappn mit Lukas Berk.

"Es ist vielleicht das beste neue Geschichtswerk zur Revolution 1918 in Bayern."

Dirk Walter im Münchner Merkur vom 02. Juni 2018

Den kompletten Artikel von Dirk Walter finden Sie hier: 

Eine Ehrenrettung für das Rote Bayern

Hans Well zur CD

Von der Münchner Revolution am 7. November 1918 erfuhr ich während meiner gesamten Schulzeit so gut wie nichts. Zwar lernte ich, wie blutig die Französische Revolution die Monarchie beseitigt hatte, dass aber unter der Führung von Kurt Eisner 

◊ die bayerische Monarchie ohne Blutvergießen abgeschafft, 

◊ der Freistaat Bayern gegründet, 

◊ der 8-Stunden-Arbeitstag sowie das Frauenwahlrecht eingeführt und 

◊ die Aufsicht der Kirche über die Schulen abgeschafft wurde, 

davon erfuhr man in bayerischen Schulen früher rein gar nichts. Für die Bayerische Staatsregierung passte der sozialistische Gründer offenkundig nicht ins rechte Weltbild. Dabei war die Zeit vom 7. November 1918 bis zum 1. Mai 1919 in München mit Sicherheit der interessanteste Versuch, Deutschland nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs eine neue Ordnung zu geben. Die Voraussetzungen für die Revolutionsregierungen waren denkbar schlecht, denn die hohen Erwartungen konnten in Zeiten von Not und Mangel nicht erfüllt werden. Dafür, dass Eisner und seine Mitstreiter in der Situation der militärischen Niederlage eigentlich keine Chance hatten, nutzten sie diese allerdings erstaunlich gut. 

Die Geschichte vom Sturz der Monarchie bis zum Ende der zweiten Räterepublik wurde nach der blutigen Beendigung von bürgerlichen und reaktionären Kreisen stigmatisiert und totgeschwiegen. Noch heute gilt vielen Konservativen die Sichtweise der damaligen Gegner, es hätte sich dabei um einen Revolutionsfasching weltfremder Spinner oder Träumer gehandelt, der den Bayern von landfremden Agitatoren aufgezwungen worden sei. Dabei legten diese „Spinner“ den Grundstein für unseren Freistaat, unsere Demokratie – die blutige Niederschlagung der Räteregierung durch Freicorps und Reichstruppen hingegen das Fundament für den Nationalsozialismus. Es zeugt von großer Kleingeistigkeit, dass die historischen Verdienste Kurt Eisners von der Bayerischen Regierung auch 100 Jahre später noch immer ignoriert werden. Hätten nicht so viele bedeutende Schriftsteller, die Zeugen der Vorgänge wurden, darüber geschrieben, wäre die Strategie des Verschweigens vermutlich aufgegangen. 

Die begrenzte Zeit einer Doppel-CD zwingt leider zu schmerzhaften Schnitten bei der Fülle zeitgeschichtlicher Literatur von Autoren wie Oskar Maria Graf, Ernst Toller, Victor Klemperer, Heinrich und Viktor Mann, Lion Feuchtwanger und anderen. 

Immerhin titelte der Bayerische Staatsanzeiger im Januar 2018 einen Beitrag über den ersten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner: Ein bayerischer Held. Wir wünschen uns, dass diese zwei CDs einer breiteren Öffentlichkeit ein gerechtes Bild dieses völlig unheroischen Helden und  seiner Feinde, vermitteln können.

Hans Well & Wellbappn: Rotzfreche Biermösl 2.0 mit bitterböser Volksmusik

von Wolfgang Spitzbart

Photos Wolfgang Spitzbart

meinbezirk.at vom 16.03.2018

   

LAAKIRCHEN. Ende und Anfang in Steyrermühl: Dort, wo vor sechs Jahren die verblichene Biermösl Blosn vor ihrer Trennung ihr letztes Österreich-Abschied spielte, im Kulturzentrum Alfa, ausgerechnet dort gab es Donnerstagabend das erste Österreich-Konzert einer der beiden Nachfolgegruppen - Hans Well & Wellbappn, sozusagen Biermösl reloaded. „Das ist unsere Österreich-Premiere“, so der Biermösl-Veteran Hans Well, der gleich zu Beginn klarstellte: „Weil wir hier in einer alten Papierfabrik sind: Wellbappn, das hat nix mit Pappe zu tun, nein ihr wisst‘s schon – gemeint ist die Bappn, also das Mundwerk.“ Und was assoziert man sofort mit Bappn? Natürlich: Freche Bappn. Und so kam es dann auch: Zwei Stunden bitterböse Volksmusik, bissi-ges Kabarett, scharfe Satire. Das altbekannte Feindbild blieb erhalten - das bayerische Konglomorat aus CSU, Staatsregierung, jeweiligem Ministerpräsidenten, BayWa, Raiffeisen, Betonlobby, Kirche, Traditionsverbänden und Agrarindustrie.

           

Rotzfreich seit über 40 Jahren

Heimattümelei, Kitsch und falsch verstandene Trachtensentimentalität sind es der Familie Well so gar nicht. Rotzfrech kämpfen sie musikalisch gegen alles, was rechts steht. Ein listiges und spöttisches Ansingen gegen die bayerische Obrigkeit, dumpfbackenen Provinzialismus und trachtlerische Seligkeit. Und die Wells nehmen sich dabei auch gern selbst auf die Schaufel. Hans Well, der mit den Brüdern Christoph und Michael vor über 40 Jahren die legendäre Biermösl-Blosn gründete und mit ihr 35 Jahre lang durch die Lande zog, ist also wieder da. Mit seinen drei Kindern Tabea, Sarah und Jonas, den Wellbappn, wurde er noch kantiger, schärfer und kritischer. Schräger Wortwitz gepaart mit Hohn gegen die selbstgefällige Obrigkeit. Die vier sind aber auch außergewöhnliche Multi-Instrumentalisten, blitzschnell wechseln sie auf der Bühne die Instrumente – von der Steirischen zur Gitarre, von der Trompete zum Kontrabass, vom Akkordeon zum Saxophon, von der Geige zum Kazoo. Musikalität liegt der großen Familie Well einfach im Blut.
Schon mit dem Einstieg – ein paar bissige Gstanzln über Laakirchen und seine Lokalpolitik, über den Landeshauptmann, die österreichischen Burschenschaften - hatten die Wells die Sympathien des Publikums auf iher Seite, Beifall und Lacher. Die zogen sich durch das ganze hinreißende Programm bis zu den Zugaben.


Wellbappn Videoclip 2017

Wellbappn in Unterföhring

Photo Copyright S.Kellerer

Fürchten und Frohsinn lehren

Lachen und Nachdenken lagen beim Konzert von Hans Well und seinen Wellbappn dicht beieinander. Hans Well und seine drei Kinder boten im ausverkauften Stadtschloss ein ungewöhnliches Programm.

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Hans Well & Wellbappn – Bayern-Satire-Power vom Feinsten!

PLÄRRER

DAS STADTMAGAZIN

Dez.2016

Hans Well & Wellbappn: Das ist das Beste, was Bayern in Sachen Musik-Kabarett oder besser: Musik-Satire zu bieten hat! Well, schon immer der Kopf der verblichenen Biermösl Blosn gewesen, erwies sich in diesem Konzert als mittlerer Orkan des realsatirischen Wortwitzes – gesungen wie gesprochen. Und sein munteres Trio, bestehend aus zwei multiinstrumentalen Töchtern und Sohn an der Tuba, lässt ihn keineswegs alt aussehen. Im Gegenteil, sie ergänzen und verstärken einander mit enormer Energie und Spielfreude: Sarah, Tabea und Jonas. Glänzend die samt und sonders neuen, schön hohnlachenden Texte und Couplets von Hans Well: allesamt sehr konkrete Realsatiren darüber, wie Bayern-Insassen mit Ignoranz und Arroganz das süße Leben sauer werden lassen. Die Wellbappn: neue Meister der Moritaten über das Niedertrachtentum!

Die Wellbappn singen schön böse Lieder

von Konstanze Crüwell
FAZ von 25 Januar 2017

Aus „familiären“ Gründen ist der CDU-Politiker Ronald Pofalla als Chef des Kanzleramts zurückgetreten, um nun doch auf eine neue, gut bezahlte Aufgabe zu gieren: „Für zwei bis drei Millionen im Jahr – Poveralli, Poveralla! / Jetzt hat die Bahn im Vorstandsladen – einen Oberleitungsschaden“, prangern die Wellbappn auf der Frankfurter Kabarettbühne Die Käs solche Karrieresprünge früherer Spitzenpolitiker an, die etwa auch Pofallas Fraktionskollege Eckart von Klaeden, Ex-Minister Dirk Niebel und noch einige mehr vollführten.

Wellbappn ist der Name eines jungen bayerischen Familienquartetts, das Hans Well, langjähriger Autor und Musiker der Biermösl Blosn nach deren Ende mit seinen Kindern gegründet hat: Tabea, die 1991 geborene Tochter, studiert Geige und Volksmusik an der Musikhochschule in München; ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sarah, Studentin im Fach Interkulturelle Kommunikation, bearbeitet bei ihren Auftritten Bratsche, Saxophon, Ukulele und Akkordeon durchaus professionell „und singt immer schöner“, wie es im Wellbappn-Flyer ganz richtig steht und es auch in der Käse zu hören war. Zu den Schwestern gesellt sich außerdem der 1996 geborene Jonas, Student der Politikwissenschaften, aber auch Musikus durch und durch, der im Alter von fünf Jahren mit dem Geigespiel seine musikalische Grundausbildung begann, der Cello und Kontrabass folgten. Sein Hauptinstrument, das er besonders gut beherrscht, ist allerdings die Trompete.

Das gute Einverständnis zwischen den Generationen bewies er, als er seinen Vater einmal mit freundlicher Ironie als „Nachwuchstalent des Rentner- und Invalidenvereins Hausens“ bezeichnete. Hans Well nahm es mit Fassung. Und einer der Höhepunkte des so unterhaltenden Wellbappn-Abends war die „Kindergartenrallye“, das von Jonas verfremdete Erlkönig-Lied: „Wer rast so früh durch Regen und Wind? / Es ist der Vater mit seinem Kind / Der Sohn sitzt hinten im Kindersitze / Der Vater fährt 180 Spitze“. So geht es weitere acht Strophen lang. Punkt acht Uhr musste das Kind im Kindergarten sein. „Sohn geht in den Kindergarten rein / Papa nach Hause ohne Führerschein.

Die Wellbappn haben sich mittlerweile als erfolgreiche und ernstzunehmende Nachfolger der Biermösl Blosn, jener legendären Kabarett-und-Musik-Band, etabliert. Denn mit ihrer oft schonungslosen Kritik an politischen Missständen und ihrer wahrhaft zu Herzen gehenden Volksmusik setzen Hans Well und seine musizierenden Kinder die Traditionen der Aufklärung und der Kultur ihrer Heimat so überzeugend fort, dass die Wellbappn als Vertreter wahren Bayerntums eigentlich von Horst Seehofer gewürdigt werden müssten. Vermutlich bietet er ihnen dann sogar das Du an.