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Mit Musik gegen Hassparolen Warum CSU-Kritiker Hans Well mit der CSU gemeinsame Sache macht Süddeutsche Zeitung vom 16.November 2016 Interview: Sebastian Fischer

Es ist nicht mehr auf viel Verlass, nicht auf Wahlumfragen oder Parteifreundschaften, aber dass sich in Bayern ein paar Menschen konsequent über die CSU lustig machen, ist eigentlich Gesetz – zum Beispiel der Kabarettist und Musiker Hans Well. Eines seiner jüngeren Zitate: „Wenn du denkst, es geht nicht blöder, dann kommt irgendwas vom Söder.“ Aber nun, am Donnerstag, tritt er in Gröbenzell bei München auf einer Protestveranstaltung gegen die AfD auf – mitorganisiert von der CSU.

SZ: Herr Well, kaum zu glauben: Sie machen gemeinsame Sache mit der CSU.

Hans Well: In Gröbenzell gibt’s ein großes überparteiliches Bündnis gegen einen AfD-ler und dessen antisemitische Parolen. So schwer die Erkenntnis ist: Auch bei der CSU gibt es Leute, die respektabel sind. Leider sind die keine starke Minderheit, sondern stark in der Minderheit.

Also sind 35 Jahre voller Lieder gegen die CSU-Politik nicht vergessen?

Nein, deswegen finde ich jetzt bestimmt den semi-kriminellen Beistand vom Dobrindt für die Abgas-und Autolobby nicht toll. Genauso übrigens wie die Energiepolitik vom Gabriel.

Werden sich die Leute nicht wundern?

So einseitig haben wir nie getickt. Wir haben immer wieder gestandene Leute kennengelernt bei den Schwarzen. Ich habe mich zwar gefragt, warum die nicht bei einer anderen Partei sind, aber mei.

Sie singen nichts mehr über, etwa, Bayerns Finanzminister Markus Söder?

Also bei manchen in der Staatsregierung, gerade vom Markus, dem Schmutzler, oder Dr. Scheuer, gibt’s schon Aussagen, bei denen man sich fragt, wer die Urheberrechte über diese Hassparolen hat: die AfD oder die CSU? Da könnte was dabei sein.

Warum kommen Hassparolen offenbar bei immer mehr Menschen an?

Weil dumpfe Parolen gegen Minderheiten halt ziehen. Dieter Hildebrandt hat einmal gesagt, dass ein bestimmter Prozentsatz der Leute für keine Argumente empfänglich ist. Dieses Postfaktische, wie das jetzt heißt, speist sich aus Gefühlen und nicht aus Fakten. Was mir dabei stinkt: Es gibt viel zu kritisieren an unserer Regierung, Zustände, die geändert werden müssten. Die Kluft zwischen Arm und Reich. BMW diktiert mit Hilfe unserer Regierung die Abgaswerte in Brüssel. Gabriel rasiert den Klimaschutzplan. Aber die AfD interessieren solche Themen nicht, die agitiert gegen Zuwanderung und Muslime. Und bei einigem, womit der Trump gepunktet hat im Wahlkampf, hab ich mir gedacht, das stammt aus der CSU-Leitkulturdebatte.

Wie meinen Sie das?

Das C im Namen ausgelegt als: Auge um Auge, Grenzzaun um Grenzzaun, Obergrenze um Obergrenze.

Wird das zu wenig entlarvt?

Satire kann die Lächerlichkeit von Politikern zeigen. Die Alternative für Deutschland sind Fakten. Wenn die bei den Leuten nicht mehr ankommt, dann können wir zusammenpacken.

Aber Sie lachen schon noch über die CSU – und singen nicht demnächst auch ein Loblied auf die Maut?

Nein, da lege ich meinen Kopf und nicht nur meine Hand ins Feuer. Aber am Donnerstag spielen wir gegen jemanden, bei dem mir der Humor allmählich verreckt.