„Was Erdogan ko, des ko i a“

MUSIKKABARETT IN BLUMENTHAL

Bei Hans Well und seinen Wellbappn bekommen im ausverkauften Freiraum in Blumenthal viele ihr Fett weg: vom Windkraftgegner bis hin zur Bundestagsabgeordneten Die drei Wells und Sebastian Gröller liefern einen gelungenen Abend im Blumemthaler Freiraum.

Von Anna Schmid

Foto Anna Schmid

Aichacher Nachrichten vom 18.04.2016

Eine Aufführung mit viel Schärfe und Biss serviert der bayerische Kabarettist Hans Well am Freitagabend in Blumenthal. In Begleitung seiner „Wellbappn“, der Töchter Tabea und Sarah, und Sebastian Gröller, der für Sohn Jonas einspringt, lockt er die Menschenmengen in den ersten Stock des alten Brauereigebäudes. Dort, im „Freiraum“, auf breiten, mit trockenen Farbspritzern besprenkelten Holzdielen, reihen sich die dicht gedrängten Stühle aneinander. Zweihundert Besucher füllen den niedrigen, warmen Raum. Der Abend ist ausverkauft. Die Schweglers aus Aindling sind zum ersten Mal auf einer Veranstaltung dieser Art, sie haben die Karten von ihren Kindern geschenkt bekommen. „Wir erwarten uns einen lustigen Abend“, freuen sie sich. Der wird ihnen sogleich geliefert.

Mit einem schwungvollen Einstieg über die Schön- und Eigenheiten des Landkreises bringen die Wellbappn ausgelassene Stimmung ins Publikum. Da wird über Biogasanlagen gefachsimpelt, eben eine andere Art der Geothermie mit „ozopfter“ Gülle, über Hausfrauen, die mit Geländewagen zum Netto brausen, den Spagat zwischen Tradition und Moderne, also Bürgersteig kehren und Häuser im Toskanastil, und über Windparkgegner. Deren ausschlaggebendes Argument gegen die Lautstärke der Windräder: „Wenn do mal gscheit da Wind geht, dann hör ma unsere Autobahn gar nimmer!“ Weiter wird gegen die Friedberger gestachelt sowie äußerst scharfzüngig und treffend gegen Bundestagsabgeordnete Iris Eberl aus Aichach wegen ihres Versuchs, eine Journalistin aus einer Verhandlung auszuschließen – laut Well mit dem Motto: „Was Erdogan ko, des ko i a!“

Bei Hans Well fliegen den Zuschauern die witzigen Kommentare nur so um die Ohren. Er greift gekonnt aktuelle Themen und Stimmungen auf, seziert diese bis zu deren Kern und entfaltet daraus seine facettenreichen Stücke, stets mit grandioser musikalischer Untermalung. Mit dabei sind Akkordeon, Gitarre, Geigen, Kontrabass.

Da wird ein feuriges Tanzlied auf der Bühne performt, ein klägliches Klagelied auf die Kanzlerin („von der einflussreichsten Frau zur ärmsten Sau“), ein wirklich elendiges Urlaubs-Regenlied mit tröpfelnden Xylofon-Tönen. Es folgt ein Ständchen über den typischen Autofahrer auf dem Weg zum Kindergarten mit dem verängstigten Sohn – zu schnell, zu rabiat, aber Hauptsache, sich nicht von einem Friedberger überholen lassen.

Mit Humor gegen die Hitze im Raum

Zwei Friedbergerinnen müssen bei dieser Stelle besonders schmunzeln. „Witzig, berührt uns aber nicht“, lacht eine von ihnen. Mitten in einem Stück sagt Well: „Wer herinna a gscheite Lüftung einbaut, dem ghört a Denkmal gsetzt!“ Und spielt damit schlagfertig auf die Hitze an, die sich im Raum angestaut hat. So endet der Abend mit tollem musikalischem Rahmen, gekonnter Umsetzung und scharfsinnigen, satirischen Gedanken.

Was faul in Bayern ist –und in Aichach

Bei ihrem Auftritt in Blumenthal verteilen HansWell und dieWellbappn auch kräftige
Watsch’n an die lokale Politik

Von Theo Harzer

Aichacher Zeitung vom 18.04.2016

So war das auch am Freitagabend im Freiraum in Blumenthal, wo Hans Well zusammen mit den Wellbappn zu erleben war-allerdings ohne seinen Sohn Jonas, der zur Zeit aufWeltreise ist. Er wurde von „Sebastian“ ersetzt, einem Trompetenstudenten, der aus dem bayerischenWald kommt, aber ansonsten „ganz normal ist.“ „Das ist auf jeden Fall das Highlight des Veranstaltungsfrühjahrsblocks“, meint der Blumenthaler Organisator Stefan Linck zu dem Programm „Schneller“. Hans Well balanciert zwischen scharfer Kritik an Gesellschaft und Politik und alltäglichen Banalitäten, wie der Fahrt zum Kindergarten des Sohnes. Besonders die CSU-Verantwortlichen aus Bayern und deren Wähler bekommen ihr Fett ab. Das beginnt schon im ersten Song: Well hat eine Strophe auf Aichach gedichtet, die Stadt, „wo die Bundestagsabgeordnete Eberl in Pöttmes entgleist, und a Aichacher Journalistin aus’m Saal schmeißt“ oder „wo sich de Windradgegner bitter beklogn, dass d’Windradl Schnakn und Brems daschlogn.“ Dem gebürtigen Willprechtszeller schmeckt weder der langwierige Ausbau der B 300 noch das unansehnliche Gewerbegebiet bei Dasing oder die eigennützigen Entscheidungen des Bauunternehmers und Stadtrats Jung. Bei Well und seinen Wellbappn bleibt niemand ungeschoren.

Nicht die CSUler im eigenen Dorf, die sich gegen Asylbewerberheime und Ökostrom wehren und auf Widerspruch mit Sprüchen wie „Erst 35 Jahre hier wohnen und scho s’Maul aufreißen!“ reagieren. Nicht Ministerpräsident Seehofer mit seinen verqueren Vorstellungen zu Asyl, Maut und „bayerischem Reich“. Und auch nicht Bundespolitiker wie Schröder, Profalla oder Niebel, die ihre Positionen nutzen, um in der Wirtschaft Managerjobs zu ergattern. Genauso wie über politische Missstände kann sich Well aber auch über das Verhalten seiner Mitmenschen mokieren. Da sind die Mütter, die sich während der Fußballspiele ihrer Söhne in die Haare kriegen und dabei besser Rugby spielen als ihre Söhne Fußball. Oder der Vater, der aus Angst, sein Kind zu spät im Kindergarten abzuliefern, viel zu schnell Auto fährt: „Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? – Oh, Vater, siehst du das Zone-30-Schild nicht?“ Auch dem deutschen Wetter war ein Lied gewidmet: Die Familie entscheidet Pfingsten „dahoam“ zu verbringen, und erlebt dabei eine Sintflut, denn der deutsche Sommer ist so regnerisch wie der Winter in England. Ob das vielleicht mit dem Klimawandel zusammenhängt? Auch hierzu gab die Wellfamilie einen Titel zum Besten, eine Dystopie, in der Hamburgs schaurige Zukunft in der Nordsee liegt und die Flüchtlinge nicht aus Syrien kommen, sondern aus den Niederlanden, von nebenan. Apocalypse now also überall. Die zentralen Themen unserer Zeit unterlegen die Wellbappn mit bayerischer Volksmusik. An diesem Abend kamen sicher zehn Instrumente zum Einsatz, zum Beispiel Trompete, Tuba, Kontrabass, Akkordeon, Geige oder Gitarre. So wie man das von den Biermösl Blosn eben gewohnt ist. Hans Well und die Wellbappn bereiteten dem von MdB Eberl, von „Metasdasing“ und B 300-Ausbau gebeutelten Aichacher Publikum jedenfalls einen vergnüglichen Abend – Sprach- und Musikkunst auf höchstem Niveau. Erfreulich war, dass sich Hans Well und seine Combo nicht ins Biermösl-Blosn-Museum stellen, sondern neue Töne finden, ohne an ihrer bajuwarischen Fundamentalkritik Abstriche zu machen. Im Land der Bai-wa ist vielleicht anderes faul als vor 30 Jahren – aber sicher nicht weniger.

CSU-Intimfeind steht der Kanzlerin bei

Hans Well, der intellektuelle Kopf der Ur-Biermösl Blosn, zeigte in Neumarkt, was er zur Auffrischung der Kabarettszene tut.

Neumarkter Tagblatt vom 12. April 2016

von Lothar Röhrl

NEUMARKT. Ein Well, der Kanzlerin Merkel verteidigt. Einer, der den Traum vieler Bayern von einem Austritt aus der Bundesrepublik Deutschland als Alptraum skizziert. Und einer der vorhersagt, dass die Flüchtlingswelle dieser Tage nur ein minimaler Vorgeschmack auf das sein wird, wenn Zig-Millionen Menschen wegen des Klimawandels ihre Heimat – von den nahen Niederlanden bis zum fernen Bangladesch – verlassen müssen. Es ist immer faszinierend, wie dieser Hans Well mit seinen Texten die Realität schonungslos seziert. Wie er die Trennung von seinen beiden Brüdern, die sich zur reinen Gaudi-Volksmusikantentruppe reduziert haben, verwunden hat. Und wie er mit seinen (drei) Kindern und jungen Leuten generell das bayerische Kabarett auffrischt.

Gut, dass am Samstag die Herausforderung der fehlenden Tochter Sarah – aber einzig zur Unzufriedenheit von Hans Well – nicht gemeistert worden ist, mag diesen Abend nicht ganz hundertprozentig gelungen erscheinen lassen. Dennoch zeigte die Reaktion des Publikums im G6, dass diese zwei Stunden sehr gut unterhalten und auch Stoff zum kritischeren Umgang mit den Nachrichten dieser Zeit gegeben haben. Mit diesem Abend landete übrigens der G6-Veranstaltungsverein „Frequenz“ einen weiteren Volltreffer in seiner kurzen Geschichte. Den durfte Dr. Alois Kölbl für sich als Erfolg reklamieren. Denn als einer der beiden Hauptinitiatoren des Vereins (neben Siegfried Müller) hatte Kölbl den Auftritt in die Wege geleitet.

So wurde ein volles G6 Ohrenzeuge unter anderem einer in diesen Tagen sonst nie gehörten Textzeile, mit der CSU-Intimfeind Well Kanzlerin Angela Merkel zur Seite springt: „‚Wir sind das Volk’ schreit diese Bagage; wem dem so ist, leck‘s mi hierzulande am Arsch“ – legte Well der Frau in ihren Mund, die er als „ärmste Sau“ derzeit im Lande ein- und somit hochschätzt.

Hans Well & Co -die Welt in der wir leben

Die Wellbappn kommentieren frech und musikalisch die Welt

www.kultkomplott.de vom 09. April 2016

Von Jörg Konrad

Olching. Ist er Kabarettist oder ist er Komiker? Vielleicht auch „nur“ Musiker oder Dichter, oder doch Systemkritiker? Hans Well, der 9. Sproß der Well-Dynastie aus der Gemarkung Willprechtszell im Landkreis Aichach-Friedberg ist vor allem eines: Hans Well. Ein authentischer Zeitgenosse, geradeheraus im Denken, genial im Spielen und ausgestattet mit jeder Menge Humor. Und die Wellbappn, in Hochdeutsch so viel wie „vorlautes Mundwerk“, sind seine Plattform, die ihrem Namen alle Ehre machen. Wie gestern im Olchinger KOM. Wenn auch in abgespeckter Besetzung mit Tabea Well, Sebastian Gröller (statt Jonas Well) und Hans, ihm selbst. Bei ihnen gibt es kein unverbindliches „Hallo Olching“. Gleich im ersten ihrer gstanzelartigen Spottgesänge kommt ihre eingehende Beschäftigung mit der Politik vor Ort zum Ausdruck. Und sofort ist auch das Eis gebrochen - man fühlt sich als Publikum ernst genommen, weil ganz persönlich angesprochen

Aber im Laufe des Abends geht es weiter. Von der Lokal- zur Landespolitik und weiter hinauf zur Bundes- und zur Weltpolitik und noch höher, bis hin zur Scheinheiligkeit der Kleriker. Die Wellpappn beschreiben (und kommentieren) die Welt, in der wir leben - auf ihre Art versteht sich. Da wird Johann Sebastian Bachs „Toccata“ einer Geschichte über  brennenden Flüchtlingsunterkünften in der Provinz unterlegt und in einer modernen Fassung von Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig“ wird die Zeitnot anhand einer rasanten Autofahrt in den Kindergarten des Jüngsten deutlich. Kultur im hier und jetzt, frech wie provokant.

Da werden Politiker auf bayrisch folkloristische Art derbleckt. Manchmal derb, aber nie unter der Gürtellinie, sondern immer aus der betonierten und begradigten und damit verschandelten Natur heraus. Aus der Sicht der Sehenden und Betroffenen. Ganz anders, als diese formschnittigen Entertainer in den werbungsgesättigten Medien, die sich als Außenseiter und Lästermäuler gerieren und doch zum System gehören, um am Ende nur larmoyant und piefig einzuknicken und beleidigt um Gnade zu flehen. 

Musikalisch waren die drei ebenso unnachamlich wie virtuos. Tabea an Fiedel, Akkordeon, Schlagwerk und singend, wie auch Bastian mit Tuba, Trompete(!), Bass und Stimme. Kein Instrument scheint den Wells zu schwierig, und dem Hans schon gleich gar nicht.

Und was mit das Angenehmste an diesem Abend kultureller Superlative war, ist dieses generationsübergreifende Denken. Hier wird der Staffelstab des kritischen wie mündigen Bürgers ebenso weitergegeben, wie das gelebte Musikantentum. Das macht Hoffnung.

Ersatzspieler eingewechselt!

Am 23.Oktober 2015 spielt Jonas in Bad Aibling zum letzten Mal vor seiner Weltreise mit den Wellbappn. Da er nach seinem Abitur und die dadurch errungene Reisefreiheit vorübergehend verhindert ist, wird er bis zum August 2016 durch Sebastian Gröller, einen Trompetenvirtuosen aus Arnbruck im Bayrischen Wald vertreten. Der Sebastian spielt sehr hoch und singt sehr tief. Ein würdiger Ersatz für den eigentlich unersetzlichen Jonas.

Neue CD erscheint am 15.Oktober im Kunstmann Verlag

Drei Jahre nach der ersten erscheint die nächste CD mit dem Titel "Schneller"

„Schneller“! Der Titel des 2. Albums der Wellbappn, das im Herbst erscheint, ist auch gleichzeitig Programm der neuen Blosn rund um Ex-Biermösl Hans Well. Kaum drei Jahre nach ihrer Gründung veröffentlicht Hans Well mit seinen Kindern schon die zweite CD. Schließlich müssen die Ausgaben für die musikalische Ausbildung der Kinder wieder reingespielt werden. Denn die war so umfangreich wie vielfältig: Geige, Bratsche und Kontrabass beherrscht die zweite Generation ebenso wie Trompete, Tuba, Akkordeon, Saxofon, Flöte, Dudelsack, Mandoline, Drehleier, Gitarre – mindestens! Die Musikalität liegt dieser Familie einfach im Blut.

Sarah (23), Tabea (22) und Jonas (19) blasen mit jugendlichem Elan und meisterlichem Können „einen erfrischend neuen Wind in`s alte Segel“ (Augsburger Allgemeine). Sie lassen ihren Vater gnädigerweise noch mitspielen - als Texter hat er schließlich nichts verlernt. Hans Well textet also, sein Nachwuchs kritisiert, verbessert, vertont seine Werke mehrstimmig und bringt den Vater mit virtuosen Musikstücken zur Verzweiflung - ja bisweilen sogar zum Üben.

Neue Lieder werden schnell umgesetzt. Im bewährten Stil von Hans Well gründen die Themen in der Mitte der Gesellschaft und machen sich in bester Manier über Mitmenschen, verantwortliche politische Köpfe oder sich selbst lustig. So entsteht ein Heimatsound, der zum bayerischen Gefühl auch Unterleib und Kopf nicht vergißt. Zur Hoeneß-Passion gesellt sich ein Fanlied kampfbereiter Mütter der F-Schülermannschaft von Hausen, zum Pfingstlied das notorische Tief aus dem Nordwesten. Die Genialität der Ausländermaut, der Gegenwind bei der  Energiewende oder die von Gesellschaft und Presse völlig ignorierte Schutzbedürftigkeit von Verfassungsschutz oder BND werden mit gebührender Hochachtung besungen.

Das Quartett nimmt kein Blatt vor den Mund, greift brisante politische Themen genauso an wie Kirchenangelegen-heiten, Schulproblematik und Jugendkultur, wobei ihr Spott und Biss aber niemals unter die Gürtellinie abrutscht. Viel Komik, aber auch viel Nachdenkliches wird geboten und glücklicherweise keine Plattheiten. Die Texte sind durchdacht, von gesundem Menschenverstand durchleuchtet, für jeden Zuhörer nachvollziehbar, teils bitter-böse, teils liebevoll-spöttisch angehaucht.

Wellbappn, das ist ein neuer, frischer musikalischer Satirewind, ein unglaublich locker, entspanntes Gesangs-Kabarett, in dem sich der routinierte Papa niemals zu wichtig nimmt, ein generationenübergreifender virtuoser Leckerbissen.

Die begeisterten Reaktionen von Presse und Publikum zeigen, dass diese Verbindung aus Jugend und Erfahrung trotz familiärer Bande bestens harmoniert. „Rotzfrech und unbekümmert, urbayerisch und widerborstig“ urteilte die Süddeutsche Zeitung. Mit ihrer Mischung aus Volksmusik und Kabarett haben sich die Wellbappn schon weit über die Grenzen der bayerischen Kleinkunstszene hinaus eine Fangemeinde erspielt. Schließlich kennen Hans Well viele Fans in Bayern, Österreich und Deutschland noch bestens aus der Zeit, als er mit seinen Brüdern für Furore sorgte. 

Der Preuße liest, die Bayern singen und musizieren

Kleinkunst: Thomas Gsella hat wieder einmal Hans Well in Aschaffenburg zu Gast, diesmal mit den Wellbappn - Open Air im Schönborner Hof

von Martina Jordan

Main-Echo vom 14.07.2015 

Wie­der ein­mal ist Hans Well am Un­ter­main auf­ge­t­re­ten, wie­der ein­mal als Gast der Ver­an­stal­tungs­rei­he »Gs­el­la lässt le­sen«, dies­mal am Sams­ta­g­a­bend im Rah­men der Aschaf­fen­bur­ger Kul­tur­ta­ge un­ter frei­em Him­mel im Sc­hön­bor­ner Hof. Mit da­bei: die Well­bappn.

Hans Well, früher Teil des Familienverbundes Biermösl Blosn, schart mittlerweile die Wellbappn um sich, was nicht minder familiär ist. Allerdings fehlt an diesem Abend der mit Feiern ausgelastete Frisch-Abiturient Jonas Well. Sonst geht er mit dem Vater und seinen Schwestern Tabea und Sarah auf Tour. Der Trompetenstudent Sebastian Gröller übernimmt den Part - und dass er, der aus dem Bayerischen Wald kommt, dialektal anders verortet sein soll, das merkt am Untermain keiner. Viel zu sehr sind die Menschen im Publikum wie auch der gebürtige Essener Thomas Gsella damit beschäftigt, die Mundart der Akteure aus den Tiefen Bayerns zu verstehen.

Seitenhiebe und Spitzen
Was sie denn hören, ist wunderbar komisch, voller bitterböser Seitenhiebe und immer auch angereichert mit Spitzen gegen die aktuelle Politik. Dass die Familie Well sich zudem auf höchstem musikalischen Niveau bewegt, nun, das ist vom ersten Augenblick an offensichtlich.
Was aus dieser Veranstaltung des Aschaffenburger Hofgartens eine besondere macht, ist die Kombination aus Musik, Kabarett und Satire. Da die bayerischen Musiker mit den frechen Texten, dort der Zyniker mit seinen unorthodoxen Reimen. Beide Teile spielen auch zusammen, denn Thomas Gsella darf nicht nur singen, er inszeniert zu griechischen Klängen sogar eine Sirtaki-Einlage. So lieblich die Musik, so beißend die Texte - kritisches Kabarett, das unter dem Deckmantel der Stubenmusik daherkommt. Außen brav, innen eher nicht.
Eine Lesung ist dieser Abend nur in Teilen, ein großes Vergnügen im Ganzen. Heiter plaudern die fünf oben auf der Bühne, trotzen den angriffslustigen Mücken und lassen sich auch nicht vom störenden Sound der Stadt aus dem Rhythmus bringen.
Als sich gegen 22.20 Uhr an diesem Mitternachts-Shopping-Samstag zu Verkehrslärm und Musik in der nahen Fußgängerzone noch ein überlautes Hochzeits-Hupkonzert gesellt, lässt sich Hans Well zu einer persönlichen Bemerkung hinreißen. Vor der Veranstaltung habe sich ein Stadtrat über die Lärmbelästigung beschwert, die von dieser Bühne ausgehe, sagt er. Angesichts des Trubels in der Stadt - ohne Worte.