Abend mit den „Wellbappn“ für Helferkreise

Von Hans Eder

Photos Hans Eder

Südostbayerische Rundschau vom 27. Juni 2016

Otting/Waging am See. Das war eine gute Idee der Kreistagsfraktion der Grünen: Sie hat all die vielen in Helferkreisen tätigen Personen im Landkreis zu einem unterhaltsamen Abend im Gasthaus Oberwirt in Otting eingeladen. An die 150 Besucher werden es gewesen sein, die der Einladung gefolgt waren – und sie erlebten einen vergnüglichen, durchaus aber auch nachdenklichen machenden Auftritt von Hans Well und seinen Kindern, den „Wellbappn“. Das Programm hätte nicht passender sein können, hat sich doch Hans Well, der Kopf der einstigen „Biermösl Blosn“, seinen Ärger darüber, wie sich viele Politiker zum Thema „Asyl“ stellen, in vielen Liedern von der Seele geschrieben. „Großartiges geleistet“Marianne Penn, Burgi Mörtl- Körner und Inge Kämpfl von der Grünen-Kreistagsfraktion begrüßten die Besucher mit einem großen Kompliment: „Es ist großartig, was ihr alle im Landkreis geleistet habt und noch leistet, und überhaupt nicht selbstverständlich.“ In allen betroffenen Dörfern und Städten hätten sich Ehrenamtliche gefunden und sich um Asylsuchende gekümmert. Als kleines Dankeschön habe man diesen Abend explizit für alle Helfer organisiert. Dann zählten die drei Damen exemplarisch auf, wofür die Mitglieder der Helferkreise stehen: Sprachunterricht, Kontakt zum Jobcenter, Übersetzungen, Formulare ausfüllen, „die wir selbst fast nicht ausfüllen können“ – dafür gab’s breiten Applaus – Wohnungssuche, Arzttermine, psychologische Betreuung, kulturelle Einbindung, Sorgen und Nöte anhören und vieles andere mehr. Dank galt auch Hans Well und seinen Kindern, die auf die Anfrage rasch und ganz positiv reagiert hätten: „Ja, freilich kommen wir.“ Für die Wellbappn war dieser kurzfristig anberaumte Termin etwas anders als gewohnt: Zum einen fehlte Tochter Tabea, die „bei dem Sauwetter krank geworden Abend mit den „Wellbappn“ für Helferkreise war“, wie der Vater bekannt gab, zum anderen war nach einjähriger Weltreise Sohn Jonas erstmals wieder von der Partie; und er konnte die Texte immer noch alle so gut wie auswendig.

Wie immer begann das verbliebene Trio mit spontan und mit heißer Nadel gestrickten Versen, die sich auf die Region bezogen, von Tuba, Geige und Ziach begleitet. Da erfuhren die geneigten Zuhörer etwa vom Abstieg der DJK-Fußballer,vomverschobenen Flüchtlingsheimbau in Waging, von unsinnigem W-Lan in den Bussen und manch anderem mehr, schließlich noch von dem „wunderschönenWirtshaus in Otting, in des ma alloa schon zwengs de drei Wirtinnen neigeht“, und von einem Landkreis, „wo sich a Helferkreis als Flüchtlingshilfe engagiert /und ma sogn konn, ohne den waar der christliche Freistaat total blamiert.“ Bei all der Themenvielfalt, die sich an diesem Abend abspulte, durfte natürlich auch der Fußball nicht fehlen. Ein wunderschöner dreistimmiger A-cappella-Gesang war Franz Beckenbauer gewidmet und seiner Rehabilitation, das „Sommermärchen“ betreffend: „I konn zwar schreiben, aber net lesen“ – das müsse doch Entschuldigung genug sein, hieß es da. Aber für den Fall der Fälle hatten die Wellbappn noch „an Trost dabei:An Hoeneß sei Zimmer ist wieder frei.“ Das Lied „Do is da Wurm drin“ lässt sich, wie man hörte, auf vielerlei Situationen beziehen: auf den Apfel der Eva, auf eine ungewollte Schwangerschaft, nicht zuletzt auf die Firma Bayern-Ei“. So ging es weiter mit dem Klimawandel, dem Ministerpräsident Seehofer mit „unterirdischen Windrädern“ begegnen will und der für Hamburg möglicherweise „eine Zukunft in der Nordsee“ bringt. Mit „siaßladn“ Kindergärtnerinnen, die aber schnell „säuerlich“ werden, wenn man die Kinder zu spät bringt, oder dass das G8 als Maßnahme dazu eingeführt wurde, „wie ma de Fratzn so richtig fertig macht“. Darauf folgte die höhere Politik in Form von Situationsschilderungen der Art, dass „die Welt in Aufruhr“ sei „zwengs de Muslime“. Drum wolle Bayern aus Deutschland austreten, die Gebirgsschützenverb.nde würden daraufhin der NATO unterstellt, die Grenzzäune würden „mit Schweineschmalz abgedichtet und das Dritte Reich nachträglich als sicheres Herkunftsland erklärt“. Und dann werde noch Musik von Florian Silbereisen gespielt, woraufhin sowieso keiner mehr einreisen wolle. Merkels „Klagelied“ Aus ihrem Zyklus der „Klagelieder“ hatten die drei das der Bundeskanzlerin ausgesucht, deren Beitrag zum Flüchtlingsthema sehr wohlwollend beurteilt wurde, nach dem Motto: „Ich behandelte Flüchtlinge als Menschen/und nicht wie Ungeziefer“, was allerdings auch seine Folgen hatte: „Seit der Zeit hängen meine Mundwinkel / noch zehn Zentimeter tiefer.“ Und weiter: „Ich, die mächtigste Frau der ganzen Welt / von Parteifreunden schändlich/bloßgestellt, im Sommer noch gefeiert in Ellmau/ jetzt bin ich die ärmste Sau.“ In den zahlreichen Strophen dieses Liedes rechnete sie dann mit all ihren Kritikern ab – da wurde nicht mit deutlichen „Schimpf“-Worten gespart, die ihr HansWell in den Mund legte. Dieses und viele weitere Themen wurden in bekannt direkter und bayerisch-trefflicher Art behandelt, wobei immer wieder hervorzuheben ist, dass die Texte musikalisch hervorragend begleitet werden und dass manche Lieder sich von ihrem freundlichen Klang her für einen besinnlichen bayerischen Liederabend bestens eignen würden – ja, wenn da nur nicht die Texte wären! Diese Kombination kommt an, die Wellbappn sind für dieses Jahr schon ziemlich ausgebucht: HansWell mit seinen unvergleichlichen Texten, der sich um „political correctness“ nix sch...., Sohn Jonas, der mit den tiefen Klängen seiner Tuba und seiner verschmitzten Art des Vortrags beim Publikum bestens ankommt, und nicht zuletzt Tochter Sarah, die trotz ihrer Jugend schon mit großer Souveränität und Leichtigkeit unterwegs ist und der man beim Singen und Musizieren anmerkt, dass sie mit großer Freudebei der Sache ist und die Bosheiten der Texte so richtig genießt.

Neue CD erscheint am 15.Oktober im Kunstmann Verlag

Drei Jahre nach der ersten erscheint die nächste CD mit dem Titel "Schneller"

„Schneller“! Der Titel des 2. Albums der Wellbappn, das im Herbst erscheint, ist auch gleichzeitig Programm der neuen Blosn rund um Ex-Biermösl Hans Well. Kaum drei Jahre nach ihrer Gründung veröffentlicht Hans Well mit seinen Kindern schon die zweite CD. Schließlich müssen die Ausgaben für die musikalische Ausbildung der Kinder wieder reingespielt werden. Denn die war so umfangreich wie vielfältig: Geige, Bratsche und Kontrabass beherrscht die zweite Generation ebenso wie Trompete, Tuba, Akkordeon, Saxofon, Flöte, Dudelsack, Mandoline, Drehleier, Gitarre – mindestens! Die Musikalität liegt dieser Familie einfach im Blut.

Sarah (23), Tabea (22) und Jonas (19) blasen mit jugendlichem Elan und meisterlichem Können „einen erfrischend neuen Wind in`s alte Segel“ (Augsburger Allgemeine). Sie lassen ihren Vater gnädigerweise noch mitspielen - als Texter hat er schließlich nichts verlernt. Hans Well textet also, sein Nachwuchs kritisiert, verbessert, vertont seine Werke mehrstimmig und bringt den Vater mit virtuosen Musikstücken zur Verzweiflung - ja bisweilen sogar zum Üben.

Neue Lieder werden schnell umgesetzt. Im bewährten Stil von Hans Well gründen die Themen in der Mitte der Gesellschaft und machen sich in bester Manier über Mitmenschen, verantwortliche politische Köpfe oder sich selbst lustig. So entsteht ein Heimatsound, der zum bayerischen Gefühl auch Unterleib und Kopf nicht vergißt. Zur Hoeneß-Passion gesellt sich ein Fanlied kampfbereiter Mütter der F-Schülermannschaft von Hausen, zum Pfingstlied das notorische Tief aus dem Nordwesten. Die Genialität der Ausländermaut, der Gegenwind bei der  Energiewende oder die von Gesellschaft und Presse völlig ignorierte Schutzbedürftigkeit von Verfassungsschutz oder BND werden mit gebührender Hochachtung besungen.

Das Quartett nimmt kein Blatt vor den Mund, greift brisante politische Themen genauso an wie Kirchenangelegen-heiten, Schulproblematik und Jugendkultur, wobei ihr Spott und Biss aber niemals unter die Gürtellinie abrutscht. Viel Komik, aber auch viel Nachdenkliches wird geboten und glücklicherweise keine Plattheiten. Die Texte sind durchdacht, von gesundem Menschenverstand durchleuchtet, für jeden Zuhörer nachvollziehbar, teils bitter-böse, teils liebevoll-spöttisch angehaucht.

Wellbappn, das ist ein neuer, frischer musikalischer Satirewind, ein unglaublich locker, entspanntes Gesangs-Kabarett, in dem sich der routinierte Papa niemals zu wichtig nimmt, ein generationenübergreifender virtuoser Leckerbissen.

Die begeisterten Reaktionen von Presse und Publikum zeigen, dass diese Verbindung aus Jugend und Erfahrung trotz familiärer Bande bestens harmoniert. „Rotzfrech und unbekümmert, urbayerisch und widerborstig“ urteilte die Süddeutsche Zeitung. Mit ihrer Mischung aus Volksmusik und Kabarett haben sich die Wellbappn schon weit über die Grenzen der bayerischen Kleinkunstszene hinaus eine Fangemeinde erspielt. Schließlich kennen Hans Well viele Fans in Bayern, Österreich und Deutschland noch bestens aus der Zeit, als er mit seinen Brüdern für Furore sorgte.