Bitterböses auf Bayrisch

Hans Well & Wellbappn im Gutmann am Dutzendteich

Hans Well & Wellbappn empfalen sich in Nürnberg als legitime Nachfolger der Biermösl Blosn

von Peter Gruner

Nürnberger Stadtanzeiger vom 24.10.2016

Kinder, so sagt man, sind heutzutage oft genug ein Armutsrisiko, aber sie können auch eine Altersversicherung sein: Nach dem Ende der aus drei Brüdern bestehenden "Biermösl Blosn" im Jahr 2012 musste deren Chef-Texter Hans Well nicht lange nach neuen Mitstreitern suchen, sondern sich lediglich im engsten Familienkreis umsehen. Mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas ist er seit 2013 als Hans Well & Wellbappn unterwegs, vor einem Jahr hat die Familienbande ihre zweite CD "Schneller" veröffentlicht.

Schneller? Keine Bange: Trotz der Verjüngungskur ist die legitime "Biermösl"-Nachfolge-Kapelle keinesfalls gewillt, schnelllebigen Trends zu folgen, sondern pflegt vielmehr die lang gewachsene Kultur des bayerischen Musikkabaretts. Er ist der altbewährte Mix aus heimelig-gemütlicher Volksmusik und brandaktuellen satirischen Texten, der auch in vollbesetzten Gutmann am Dutzendteich seine Wirkung nicht verfehlt.

Gleich beim ersten Stück wird scharf geschossen: die ersten Opfer sind Julia Lehner, Markus Söder, der dreckige Dutzendteich und der langsame Frankenschnellweg. Doch die oberbayrische Heimat der Wells kommt als Land, in dem Hausfrauen mit dem Geländewagen zum Billig-Discounter fahren, keineswegs besser weg. Harmlos im Vergleich zu den Grotesken und bitterbösen Realsatiren , die noch folgen: Das Lied vom Wirtshaus, welches von den Dorfbewohnern angezündet wird, damit es nicht als Asylbewerberheim genutzt werden kann, klingt absurd, ist aber pechschwarze Realität, genauso wie das Couplet vom Regen, der ganze Dörfer wegschwemmt, während in Bayern aber munter weiter Landschaften versiegelt und Flüsse begradigt werden. 

Lachen macht wach

Dass uns all dieser Irrsinn, all diese durchsichtige Doppelmoral und selbstgefällige Arroganz nicht zum Weinen, sondern zum Lachen bringt, das ist das große Verdienst dieser modernen Bänkelsänger, denn Lachen macht schließlich wach. Der Vater und seine Sprößlinge haben bei all dem viel Spaß, tauschen wie wild die Instrumente (von denen sie alle erschreckend viele beherrschen), wechseln sich beim Singen genauso ab wie mit den Ansagen und die Jungen helfen dem Papa gern mal liebevoll frozelnd auf die Sprünge, wenn der seinen Text vergißt.

Nach einem viel beklatschten Abend geht man mit dem beruhigenden Wissen nach Hause, dass Bayrische Volksmusik noch immer ein subversives Gegegewicht sein kann zur weiß-blauen Trachtenseeligkeit. Well done!

Verliebt in Rammingen und den erotischen Unterallgäuer Dialekt

Die „Wellbappn“ zeigen zum Saisonende im Ramminger Braustadel eindrucksvoll, warum der komödiantische und musikalische Apfel nicht weit vom Stamm fällt

Von Maria Schmid

Augsburger Allgemeine vom 09. Mai 2017

 „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ lautet eine alte Redensart. Bei den „Wellbappn“ sind es gleich drei Äpfel, die hier vom Stamm(baum) der Wells gefallen sind, genauer gesagt, von Hans Well. Seine Kinder Sarah, 26, Tabea, 24 und Jonas, mit 21 Jahren der jüngste Spross der Familie, sind bereits hervorragend in die großen Fußstapfen ihres Vaters Hans Well getreten.

Ihn kennen die Fans kabarettistischer Auftritte nicht nur von den „Wellbrüdern“, so später auch die „Biermösl Blosn“, die Berühmtheit in der Szene erlangten und 35 Jahre lang das Publikum erfreuten. Die jetzige Mischung des erfahrenen Hans Well und seinem, aus den Kinderschuhen herausgewachsenen Nachwuchs, bieten dem Publikum im Braustadel in Rammingen eine erfrischende Szenerie.

Die satirischen, oft bissigen und auch nachdenklichen Texte stammen wie seit Jahrzehnten von Hans Well. Die jungen Talente sind mit Begeisterung und hoher Konzentration dabei. Das nicht nur stimmlich, sondern auch instrumental. So spielt Sarah die Bratsche, das Akkordeon, Saxofon und die Ukulele hervorragend. Außerdem gibt sie auch gerne einmal den „Regenmacher“. Tabea studiert an der Musikhochschule in München Volksmusik mit Schwerpunkt Geige, was sie bei einem ungarischen Instrumentalstück großartig beweist.

Außerdem beherrscht sie die Steirische, die Mandoline, Gitarre, Bariton, das Alphorn und ein Xylophon, das seinesgleichen sucht. Dass sie auch am Kontrabass glänzt, beweist sie auf humorvolle Weise. Sie, eine „Schmalgeiss“, wie Ludwig Ganghofer sie sicherlich genannt hätte, wird vom großen Bruder auf einen Hocker gestellt, damit sie zu dem mächtigen Instrument die richtige Höhe erreicht. Die rechte Hand bekommt zum Schutz vor den starken Saiten einen Handschuh. Eine Gaudi für die Gäste im Stadel.

So beherrscht sie auch dieses Instrument, das ansonsten vorwiegend von Jonas gezupft und gestrichen wird. Bei ihm kommt vor allem die Trompete oder Tuba mit einwandfreien Tönen zum Einsatz. Fast zu klein ist die Bühne im Braustadel für seinen kurzen Auftritt als Plattler. Eine beliebte Tradition von Hans Well ist es, den Ort, in dem sie gerade auftreten, ein wenig aufs Korn zu nehmen. Rammingen ist für ihn „unglaublich interessant“. Er sagt: „Ich bin jetzt richtig verliebt in Rammingen!“ Und warum? „Weil alles Gute aus Rammingen kommt!“ Das Publikum hat seinen Spaß daran, vor allem weil die Nachbarorte mit einbezogen werden und die Aussagen sie zum Lachen reizt: „Der Allgäuer Dialekt ist der erotischte auf der ganzen Welt.“

Hans Well entschuldigt sich leicht, indem er schulterzuckend sagt: „Mia san halt boarisch – und da san mia dahoam!“ Doch wie ist das, für die Schwestern den richtigen Mann zu finden? Sie sind sehr wählerisch und entscheiden sich weder für einen Banker noch für einen Straßenbahnritzenreiniger – für sie muss es ein Musikant sein. Verständlich oder?

Diese sind schließlich ihrer Meinung nach die besten Liebhaber. Der „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe stand Pate für eine Autofahrt zum Kindergarten. Damals war Jonas noch klein und fragte bei der rasanten Fahrt des Vaters immer wieder: „Mein Vater, mein Vater….“ Alle Beruhigungen seitens des Erziehers fruchten nichts. Er fragt weiter. Das Fazit? Am Ende war der Führerschein weg. Es fehlen in diesen satirischen Texten weder Angela Merkel noch Horst Seehofer oder etliche andere Politiker. Die Themen der Welt werden angesprochen, ohne wenn und aber. Und doch heißt es: „Bayern tritt aus Deutschland aus!“

Es gibt viel zu lachen an diesem Abend im Braustadel, dem letzten Kabarettabend dieser Saison. Tscharlie Hemmer und seine Schwester Inge weisen auf den Neustart im Herbst hin, bei dem wieder viele Größen der Szene zu Gast sein werden. Heftiger Applaus, verbunden mit rhythmischem Klatschen, Rufen und Trampeln der Füße verführen zu weiteren Zugaben.

Satire im Handumdrehen

Musik, Gstanzl mit absurd-komischen Mundarttexten und einer Vielzahl brisanter Themen präsentieren die „Wellbappn“ beim Benefizkonzert für den SZ-Adventskalender im voll besetzten Ebersberger Stadtsaal

VON RITA BAEDEKER

SZ vom 03.Dezember 2016

Ebersberg – Der Jahresvorausblick für Bayern aus Sicht von Hans Well und seiner Wellbappn sieht in etwa so aus: Da Angela Merkel weiterhin eine Obergrenze für Flüchtlinge ablehnt, wird Bayern aus Deutschland austreten und eine Mauer rund um den Freistaat bauen. Die Gebirgsschützen werden dem Oberkommando der NATO unterstellt, Markus Söder wird Ministerpräsident von Mittelfranken und der FC Bayern kickt künftig nicht mehr gegen Dortmund, sondern gegen Wasserburg...Ist gottlob nur ein Albtraum, aus dem Seehofer schreiend erwacht.

Dass Hans Well, 63, das Schicksal der bayerischen Weltpolitik auch nach Auflösung der Biermösl Blosn am Herzen liegt, davon können sich am Donnerstag etwa 300 Besucher im Alten Speicher Ebersberg beim Benefizkonzert zugunsten des SZ-Adventskalenders überzeugen. Als Chef des Reimeschmied-Clans, bestehend aus Papa Well und den Kindern Sarah, Tabea und Jonas, nimmt er weiterhin kein Blatt vor den Mund. Der Nachwuchs, 20 bis 25 Jahre jung, hat offenbar neben einer ausgeprägten Begabung für Musik und Wortklauberei die legendäre „Bappn“ geerbt.

Das Programm trägt den Titel „Schneller“, wohl auch, weil brennende Themen aus Politik, Gesellschaft, Kirche, Umwelt, Schule und Jugend von dem Quartett im Handumdrehen satirisch verwurstet werden. Tut ja auch nicht so weh, wenn man ein Pflaster zügig von der Wunde reißt.

Auf Wunden hinzuweisen, welche manchen Menschen das Schicksal zufügt, ist vor Beginn des Konzerts die Aufgabe von Karin Kampwerth, Redaktionsleiterin der SZ Ebersberg. Seit der Gründung des Hilfswerks 1948, als man für eine heiße Suppe oder einen Pullover sammelte, hätten sich die Anforderungen verändert und vervielfacht, erklärt sie. Not habe viele Facetten, sie treffe Alte, Kranke, Kinder. Mehr als sechs Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr gesammelt. Der Erlös dieses Abends kommt vollumfänglich dem Adventskalender zugute – wie alle anderen Spenden auch. Für die Verwaltung kommt der Süddeutsche Verlag auf.

Der gedankliche Weg von der Not des Einzelnen zum bissig-absurden Humor der Wellbappn ist angesichts der gesellschaftspolitischen Abgründe denkbar kurz. Banker und ihre Boni, Beckenbauer, die ganze Bonzokratie steht am Pranger. Doch lässt jedes Gstanzl, jeder Spottvers auch Luft für befreiendes Gelächter, das immer wieder aufbrandet. Vor allem beim Lied von der Bürgerversammlung mit Bürgermoaster, Sportvereinsvorsitzendem und Doppelnamen-Nervensäge: spannender als der Tatort. Kennt auch jeder.

„Wos in Ebersberg ned dem Freundl g’hört, g’hört dem Otter.“ 

Selbstverständlich nimmt Hans Well zunächst Ebersberg – „wo samma heit?“ – in den Blick. Aus Hausener Sicht, da, wo die Wells dahoam sind, ist Ebersberg ein „Turbozuwachs-Landkreis“. „Wos ned dem Freundl g‘hört, g‘hört dem Otter“. Über dem Landratsamt schwebe ein Niedergesäß, in Obereichhofen renne ein Don Quichotte gegen Windräder an und in Zorneding habe eine Schwarze einen Schwarzen vertrieben. Woher er das alles weiß? „Ich hab da meine informellen Mitarbeiter“, sagt Hans Well, der es sich nicht nehmen lässt, zusammen mit dem enthusiasmierten Publikum den „1. Ebersberger Gefangenenchor“ anzustimmen.

Anders als bei der Biermösl Blosn kommen bei der Bappn auch die Jungen zum Zuge, die mehr können, als nur zu zwitschern wie die Alten. Sie spielen Geige, Bratsche, Kontrabass, Trompete, Tuba, Akkordeon, Mandoline und andere Instrumente. Sohn Jonas studiert Politik, Sarah Interkulturelle Kommunikation und Tabea Violine an der Musikhochschule. Was sie drauf hat, zeigt sie bei einem Stück ungarischer Prägung. Auch die Sprachartistik des Trios lässt staunen. Mit ihrem Papa bilden die Drei ein liebevoll eingespieltes Team. Zur sympathischen Inszenierung der Well-Family gehört auch die Frotzelei. Der Papa, von Jonas als „Nachwuchstalent des Rentner- und Invalidenvereins Hausen“ bezeichnet, spielt seine Rolle hinreißend in der gar nicht weit hergeholten Erlkönig-Version, in der ein Vater sein Kind mit halsbrecherischem Tempo in den Kindergarten kutschiert, um ja pünktlich zu sein. Denn Kindergärtnerinnen, die meist „siaßeln“, würden eher „säuerln“, wenn man zu spät dran sei, weiß er.

Wenn die Bappn ihr klangsinnliches Spiel mit der Mundart, mit Englisch und Latein, auf die Spitze treibt, hat sie ihre besten Momente: well done sozusagen. Ob es um passende Beinamen für Politiker geht, um „Nahles, die Gschlamperte, Sigi, den Gwamperten“; um den „Straßenbahnschienenritzenreiniger“, den Tabea und Sarah ebenso wenig zum Mann haben wollen wie den Feldwebel: „Wenn i Spiegeleier mach‘, dann schreit er ‘Rühren!‘“ Um das Lied von der Pfingstflut 2013 „schau, wias regna duat, wias giaßt, s‘ Wasserl vom Dacherl wird zum Bacherl“; oder um das Gesamtkunstwerk der Well‘schen Liturgie aus Latein, Mundart und Nonsense: „Banca Bavaria in Banana Republica Panama, Exit Brexit.“ Eine Zugabe nur gewähren die Wells nach überwältigendem Beifall. Die Kinder müssten ins Bett, sagt der Papa. Denn vor ihnen liege noch die größte Herausforderung des Abends: die Fahrt mit der S 4. 

Beste Volksmusikmanier

Zum ersten Mal im Vorderhaus: Die Wellbappn aus Oberbayern.

Badische Zeitung vom 25. November 2016

"Ja sagt’s, wo samma do heit g’landt’?" schmettern sie im zünftigen Gstanzl-Gesang von der mit vielerlei Instrumenten gefüllten Bühne und singen ein bissiges Begrüßungslied an "das potentielle Fukushima im Badnerland", Recyclingbecher-Schmäh inklusive. "Wellbappn" nennt sich das Quartett um Hans Well von der vielfach ausgezeichneten oberbayrischen Musikkabarettgruppe Biermösl Blosn, die in ihrer 35-jährigen Geschichte für manchen Skandal sorgte und sich 2012 trennte. Jetzt waren die "Wellbappn" erstmals im Freiburger Vorderhaus – mit dem Programm "Schneller".

Ein Familienunternehmen, das statt die "Bappn" zu halten sein loses Mundwerk pflegt, ist auch diese Formation: Wells erwachsene Kinder Sarah, Tabea und Jonas erweisen sich als musikalische Multitalente, die souverän moderieren und sich manch liebevolles Gefrotzel über ihren "zu Senilität neigenden Vater" erlauben. Im Gepäck haben sie nicht nur derb-satirische Lieder von "Dahoam", wo Gemeinderatssitzungen eigentlich "Eigentümerversammlungen" sind und Hausfrauen mit riesigen Geländewagen zum nächsten Discounter fahren, während der "Mili-Preis" den Bauern den Garaus macht. Auch sonst geht es handfest zur Sache: Ob Lichtgestalt Beckenbauer und sein "Sommermärchenscheiß", ob Edmund der Stammler, Sigi der G’wamperte oder Angela die Krampfhenne, ob Rassismus, Energiewende, Korruption oder Filz – zu allem gibt’s ein Lied in bester Volksmusikmanier. Dazwischen wird auch gejodelt, eine groteske Wortsalatliturgie gesungen oder eine internationale Hymne für alle "Zugroasten" zum Besten gegeben: "bavarian, mir san mir, we have the worlds best beer...".Die jungen Wells spielen Tuba, Trompete, Saxophon, Kazoo, Akkordeon, Gitarre, Geige, Mandoline, Xylophon, Kontrabass und vieles mehr. Zwischen uriger Bierzelt-Musi mit exotischen Einsprengseln wird ab und an auch konzertiert, wobei sich Jonas Well als Trompetenvirtuose erweist und seine Schwester Tabea an der Geige brilliert. Urbayrisch und widerborstig – das Biermösl-Gen hat sich offensichtlich erfolgreich vererbt. Sauber! – findet das Publikum. Und deswegen gibt’s auch noch drei Zugaben.

Vorhang zu und keine Fragen offen

Die Wellbappn legen zum Auftakt der 15. Kleinkunsttage einen furiosen Auftritt hin

von Rolf Schneider

Photo: Lilli Schneider

Schwäbische Zeitung vom 14.Oktober 2016

Leutkirch/sz „Und bewundern alle die Chinesen für ihre Ausdauer/denn die ham immer noch ihr Mauer.“ Nein, das ist keine Kernzeile der Antifa-Bewegung und der bayerischen Patrioten auch nicht, sondern ein Gag der Wellbappn. Die sind die legitime Nachfolge-Organisation der legendären Biermösl Blosn, die ebenso wie die Vorgänger die bayerischen Dinge jenseits von Lederhose und Jodelseligkeit so sehen, wie sie halt sind heutzutage und vom Aldi-Ausbau künden: „Der Dorfladen ist gescheitert. Zur Stadtbelebung wird der Friedhof erweitert.“

Nein, dörfliche Idylle ist ihre Sache nicht, sondern knallharte, manchmal auch gallige Wirklichkeitsnähe. Familienoberhaupt Hans Well, ein Drittel der Biermösl Blosn, hat seine Kinder Jonas, Sarah und Tabea und mehr als ein Dutzend vielfältiger Instrumente um sich geschart und macht da weiter, wo die alte Blosn 2012 aufgehört hat: Stachel im Fleisch bayerischer Behaglichkeit zu sein, witzig, bissig und gründlich, weshalb ein Schuss ortskundiger Miseren-Kritik (Milei-Verkehrsterror) nicht fehlen darf. Eine Prise Quatsch („Ich hasse Kinder, besonders in Horden/deshalb bin ich Lehrer geworden“) nimmt dem Abend dann immer wieder sehr eventuelle Schwere.

Stets unterfüttert von beeindruckender musikalischer Vielfalt, meistert Well mit seinen drei Leibesfrüchten den Seiltanz zwischen plakativem Gag (Merkels Mundwinkel hängen seit der Flüchtlingskrise fünf Zentimeter tiefer) und eindeutiger Stellungsnahme bravourös: „Mir san das Volk, schreit die Bagage/wenn dem so isch, leckt’s mi am Arsch“! Da bleiben keine Fragen nach dem Standpunkt offen.

Papa Well macht mit seiner Familientruppe eben da weiter, wo die Blosn aufgehört hat: Er verpackt in heimeligen Musiksound wie die Schnadahüpfl pickelharte Kritik. Die Wellbappn – Papa Hans ist studierter Germanist und Geschichtslehrer – kennen ihre Pappenheimer, weshalb sie die Düsseldorfer Zahnärzte auf ihren Luxusareals rund um den Tegernsee genauso aufs Korn nehmen wie den CSU-Wadlbeißer Markus Söder („Mastrino“) und natürlich auch den Ex- und Bald-wieder-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß.

Virtuos und pointiert

Man schwankt einen ganzen Abend lang, was man mehr bewundern soll: Die virtuose Musik des Quartetts (Tromptensolo von Sohn Jonas, Geigen-Parforceritt von Tochter Tabea) oder die pointierte Gegenwartsbeschreibung: „Laktose-Unverträglichkeit ist schlecht für die Bauersleut/Der Liter Milli liegt bei 20 Cent/die Schwarzen bei 50 Prozent.“

 Die alte Blosn hatte sich 2012 aufgelöst, weil Michael und Christoph Well nicht mehr an das Kabarett als Zukunftsform glaubten. Hans Well tut dies, und er hat ganz offensichtlich einen starken Glauben und gehörig Witz weiterhin. Da darf es dann ruhig auch mal etwas abgesenkter sein („Mit de Weiber masch was mit/sagt der Brad Pitt“), die Querverweise auf die immer noch existenten bajuwarischen Skandale (Hypo-Alpe-Adria, Panama-Papers) passen immer noch und bei Reformverweisen für islamistische Attentäter, die sich künftig statt bei den üblichen 72Jungfrauen doch bittschön anderswo belohnen sollten, beim ortsansässigen marianischen Jungfrauenverein „denn Gerechtigkeit muss sein.“

 Der Gerechtigkeit halber muss gesagt sein, dass die Vorschusslorbeeren der Wellbappn vollauf gerechtfertigt waren. „Unser Ziel ist, große Kleinkunst nach Leutkirch zu bringen“ hießt es zum Auftakt der 15.Leutkircher Kleinkunsttage am Montagabend im proppenvollen Bocksaal. Das Urteil fällt leicht: Ziel erreicht – in bravouröser Manier. Kabarett geht immer noch. Und wenn’s so praktiziert wird wie von Hans, Jonas, Sarah und Tabea Well, hat es noch sehr lange sehr gute Zukunft.

"Well­bappn" glän­zen mit bis­si­ger Iro­nie

Kabarettgruppe nimmt Politik und Leute mit scharfzüngigen Versen aufs Korn

Schwäbische Zeitung vom 07.November 2016

Assmannshardt - Knapp 200 begeisterte Gäste haben mit Hans Well und seinen "Wellbappn" im Probelokal des Musikvereins in Aßmannshardt einen kurzweiligen, witzig-bissig-schmissigen Abend erlebt. Frisches Musikkabarett wechselte sich ab mit ausgefeilten, sauber intonierten Chorsätzen und Instrumentaltiteln. Nur ganz am Rande fand dabei die berühmt-berüchtigte Vorgängerformation "Biermösl Blosn" Erwähnung.
Eigens zu dem Anlass getextet, gab es gleich zu Beginn eine Mordsgaudi mit "Do samma heit", frechen Sprüchen über die Oberschwaben im Allgemeinen und die Aßmannshardter im Besonderen. Lokale Aktivitäten und Besonderheiten wie "Bauer sucht Frau", "von einem der auszog, um mit dem Kiesabbau Schotter zu machen und doch nur die Straßen mit LKWs verstopft" oder auch von "millionenteuren und dennoch leerstehenden Flüchtlingsheimen" am Ort ließen, von Hans Well in witzige Reime gefasst, Lachtränen kullern oder auch nachdenkliche Stirnfalten entstehen.
Die scharfzüngigen Verse der Wells machten auch vor dem ewigen Gezerre um das Biberacher Baderhaus, vor dem Öttinger'schen Vergleich der belgischen Wallonie mit dem mittlerweile berühmten Biberacher Kirchengemeinderat, vor Don Quichote'schen Windradln auf der Atzenberger Höhe oder anderen (Un-)Gereimtheiten keinen Halt.
Immer wieder aufgelockert durch instrumentale Einlagen in wechselnden Besetzungen, erklangen ausgefeilte mehrstimmige Chorsätze und Wechselgesänge von Vater Hans mit den Kindern Sarah, Tabea und Jonas Well - a cappella oder mit transparenter Instrumentalbegleitung. Die Themen schlugen dabei einen Bogen von der "Kindergartenrallye" mit den Kleinsten über das "Freundschaftsspiel" der Fußball-F-Jugend mit den übermotivierten Müttern der aufstrebenden Jungstars, bei denen am Ende nur der Schiedsrichter unversehrt blieb.
Unterwegs auf Brautwahl.de
Bissig kommentiert dabei auch die "Karrieresprünge" der Pofallas, Niebels und Schröders von der Politik in die Privatwirtschaft. Erhellend auch die Geheimnisse der Well-Mädels auf "Brautwahl.de". Auf die Frage, ob sie lieber einen Edelknabn, Banker, Straßenbahnschienenritzenreiniger, Bombenentschärfer, Philipp Lahm oder einen Musikanten hamn möchten, entschieden sie sich ganz selbstverständlich für den Musikanten als den besten Liebhaber vom ganzen Land. Zeitgemäß und -kritisch wurde das Quartett in seiner launigen, musikalischen Jagd auf Pokémons. Gar nicht traurig waren sie darüber, dass sie eins der Taschenmonster nicht fangen konnten, weil es in den unterirdischen Gewölben des Ulmer Münsters bereits von der Katze des Messners erlegt und aufgefressen worden war.
Im lang anhaltenden Applaus gebadet, gaben die urbayrisch widerborstigen Spötter als Bonus noch zwei spritzige Zugaben. Trotz gelegentlicher Seitenhiebe auf die oberschwäbischen Landsleute, besonders jene "von der Alb ra", haben die boarischen "Wellbappn" in der Region bestimmt eine Menge neuer Fans gefunden. Und das gewiss nicht nur deshalb, weil sie den oberschwäbischen Dialekt als "den erotischsten Dialekt auf der ganzn Woit" lobten.

Hans Well, der intellektuelle Kopf der Ur-Biermösl Blosn, zeigte in Neumarkt, was er zur Auffrischung der Kabarettszene tut.

Neumarkter Tagblatt vom 12. April 2016

von Lothar Röhrl

NEUMARKT. Ein Well, der Kanzlerin Merkel verteidigt. Einer, der den Traum vieler Bayern von einem Austritt aus der Bundesrepublik Deutschland als Alptraum skizziert. Und einer der vorhersagt, dass die Flüchtlingswelle dieser Tage nur ein minimaler Vorgeschmack auf das sein wird, wenn Zig-Millionen Menschen wegen des Klimawandels ihre Heimat – von den nahen Niederlanden bis zum fernen Bangladesch – verlassen müssen. Es ist immer faszinierend, wie dieser Hans Well mit seinen Texten die Realität schonungslos seziert. Wie er die Trennung von seinen beiden Brüdern, die sich zur reinen Gaudi-Volksmusikantentruppe reduziert haben, verwunden hat. Und wie er mit seinen (drei) Kindern und jungen Leuten generell das bayerische Kabarett auffrischt.

Gut, dass am Samstag die Herausforderung der fehlenden Tochter Sarah – aber einzig zur Unzufriedenheit von Hans Well – nicht gemeistert worden ist, mag diesen Abend nicht ganz hundertprozentig gelungen erscheinen lassen. Dennoch zeigte die Reaktion des Publikums im G6, dass diese zwei Stunden sehr gut unterhalten und auch Stoff zum kritischeren Umgang mit den Nachrichten dieser Zeit gegeben haben. Mit diesem Abend landete übrigens der G6-Veranstaltungsverein „Frequenz“ einen weiteren Volltreffer in seiner kurzen Geschichte. Den durfte Dr. Alois Kölbl für sich als Erfolg reklamieren. Denn als einer der beiden Hauptinitiatoren des Vereins (neben Siegfried Müller) hatte Kölbl den Auftritt in die Wege geleitet.

So wurde ein volles G6 Ohrenzeuge unter anderem einer in diesen Tagen sonst nie gehörten Textzeile, mit der CSU-Intimfeind Well Kanzlerin Angela Merkel zur Seite springt: „‚Wir sind das Volk’ schreit diese Bagage; wem dem so ist, leck‘s mi hierzulande am Arsch“ – legte Well der Frau in ihren Mund, die er als „ärmste Sau“ derzeit im Lande ein- und somit hochschätzt.

Hans Well und Co: Hinterfotzig zärtlich

Foto: Manuel Kraus

BAYREUTH. Wenn Oberbayern in Oberfranken so viel Beifall auslösen, müssen sie etwas Besonderes gezeigt haben. So wie am Donnerstag im Bechersaal: Hans Well und seine Wellbappn zeigten, wie gut Musikalität und gscherter Spott zusammenpassen.

Von Michael Weiser

Nordbayerischer Kurier vom 20/21 Februar 2016

Wovon sie singen, ist aktuell. Darüber, wie sich eine Partei mit dem „C“ im Namen gegenüber den Schutzsuchenden unchristlich geriert; über die joviale Brutalität des gemeinen Oberbayern; das bayerische Selbstbewusstsein, das so fest klingen will und doch ein bisserl fragil wirkt. Ja, Bayreuth die Ehre zu machen, singen sie sogar vom Wahnwitz der Stadthallendiskussion und vom noch immer auf Revanche sinnenden Ex-OB in den Reihen der Bayreuther CSU.

Da haben sich, so war zu hören, Hans Well und seine jungen Begleiter vor ihrem Auftritt gut informieren lassen. Und da sind sie ganz im Heute, wenn auch nicht immer im Hier. Vielleicht kokettiert Hans Well nur damit, dass er, der von weither angereiste Oberbayer, Franken so wenig auf dem Schirm hat, dass er zwischen Kulmbach und Bayreuth nicht unterscheiden kann. Vielleicht war er auch kurz nicht bei der Sache. Aber wurscht, eigentlich. Ein paar Hänger gehören dazu, ein paar Gussgrate sozusagen, die dem Abend auch etwas sehr Originelles lassen: Das ist nicht polierte Ware von der Stange, sondern ein Beisammensein, ein Abend, extra für dieses Publikum. Was Hans Well und seine Wellbappn zeigen, ist natürlich ganz und gar nicht von Pappe. Und es ist nicht nur gutes, es ist bestes Handwerk. Getragen von einer überbordenden Musikalität, zu der auch das manchmal gescherte, durchaus aber schöne Bayerisch beiträgt. Kaum anzunehmen, dass sich ein Schimpfwort wie „hinterfotzige Matz“ wie in Merkels Klagelied auch in einen anderen Dialekt noch so anhören könnte: fast zärtlich oder anerkennend. Was die Vier im dampfig-warmen, voll besetzten Bechersaal zeigten, war ist also Handwerk alter Schule, wie es Volks- und Bänkelsänger betrieben, mit Gstanzln in einer Form, in der man vermutlich bereits im Königreich politische Missstände aufspießte. Noch weiter reichen die Wurzeln des Quartetts zurück: Mit ihrer lateinischen Spottmesse – in einer Qualität

der Verballhornung, die mehr als nur flüchtige Kenntnisse des Lateinischen verrät – schließen sie gar an mittelalterliche Formen der Satire an. Selbstverständlich, um aktuellen Inhalt zu transportieren.

Vor allem aber macht es sauviel Spaß, den Vieren zuzuhören und -sehen. Hans Well verschießt witzige Spitzen, Sarah gibt die derbe Bänkelsängerin, aus deren Augen Mutwillen blitzt. Zurückhaltender, von filigranerer Musikalität ist Tabea Well. Und Bastian Gröller vertritt Jonas Well so gut, dass eben dies überhaupt nicht auffällt: dass er eine Vertretung ist. Wie’s bei einer Band so ist: Jeder darf in einem Solo glänzen. So auch Jonas

Gröller mit einem wirklich furiosen Trompeteneinsatz. Man wolle schauen, vielleicht könne man den Burschen auf Hart IV-Basis weiterbeschäftigen, wenn der Jonas von seiner Weltreise zurück sei, grummelt Hans Well. Auch da gibt es einen Lacher. Die Gruppe ist eben so gut zusammengestellt, dass sogar die Kommentare zu Hans Wells Versuchen, die Gitarre zu stimmen, dem Publikum Laune machen.

Es soll Leute gegeben haben, die das Platzen der Biermösl Blosn vor einigen Jahren als Katastrophe sahen. Mag sein, dass es eine war. Der Wiederaufbau aber hat offenbar prächtig funktioniert. Und wieder mal bleibt alles in der Familie – das soll diesen Wells erstmal einer nachmachen.

Wellbappn wissen, wo der Wurm drin ist

Die Osttangentengegner laden zum Musikkabarett in der Paartalhalle ein. 300 Zuhörer amüsieren sich über bissige Pointen zu örtlichen Politikern, Flüchtlingspolitik und Gesellschaftsphänomenen.

von Peter Stöbich

Photo Peter Stöbich

Augsburger Allgemeine Vom 03.12.2015 

Es ist schwer zu glauben, dass es wirklich schon ein halbes Menschenleben her ist, seit Hans Well mit seinen Brüdern die erste Langspielplatte in der Münchner Kleinkunstbühne „Muh“ aufgenommen hat. Denn 35 Jahre später wirkte er jetzt beim Auftritt in der Kissinger Paartalhalle so frisch und frech wie zu den besten Zeiten der mittlerweile aufgelösten „Biermösl-Blosn“. 

Mit seinen Töchtern Sarah und Tabea hatte ihn das Aktionsbündnis gegen die geplante Augsburger Osttangente eingeladen. Die hohen Erwartungen der mehr als 300 Zuhörer wurden nicht enttäuscht: Geistreich und genial, witzig und wortgewandt präsentierte sich das Familientrio, verstärkt durch Sebastian Gröller an Kontrabass und Tuba.

Der Gruppenname „Wellbappn“ hat nichts mit Wellpappe zu tun, sondern kommt vom Dialektausdruck für ein vorlautes Mundwerk: „A gfotzate Bappn“, sagen die (Ober-)Bayern. Eine solche haben viele der 15 Well-Geschwister, denn drei Schwestern haben sich zum Frauenkabarett „Wellküren“ zusammengetan. Und ihr Bruder Hans war über Jahrzehnte kreativer Kopf und Texter der „Biermösln“. Dass er in der langen Zeit nichts an Biss und Spottlust verloren hat, machte er in Kissing schon in den ersten Minuten des zweieinhalbstündigen Auftritts deutlich, als er sich über das „rote Bermuda-Dreieck“ im Wittelsbacher Land lustig machte.

Über Roland Eichmann und den Spürsinn seines Hundes

Von Bürgermeister Roland Eichmann, der dem Spürsinn seines Hundes vertraut, über Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko bis zu Ministerpräsident Horst Seehofer bekamen an diesem Abend alle ihr Fett weg: Politiker und Pfarrer, kinderhassende Lehrer und überbesorgte Mütter. Mit diesem „Derblecken“ stehen die Wellbappn in der Tradition des Kraut’n Sepp und des Roider Jackl, die schon lange vor den Biermösln ihren Spott musikalisch verpackt haben. „Da is der Wurm drin“, sang das Quartett in der Paartalhalle gemeinsam mit dem begeisterten Publikum und meinte damit nicht nur das deutsche Fußball-Sommermärchen. Von bayerischen Häusern im Toskana-Stil und dem Pfarrer aus dem Senegal erzählten die Wellbappn ebenso wie vom neuen Friedhof, der die Dorfmitte beleben soll, weil alle Einkaufsflächen im Außenbereich liegen. Wenn es richtig bissig und böse wurde, blieb den Kissinger Zuhörern das Lachen im Hals stecken wie beim Brand des Dorfwirtshauses, in dem Asylbewerber untergebracht sind: Die Anfahrt der Feuerwehr wird durch einen Bierlaster blockiert, zu dem der Zündschlüssel fehlt. Wie perfekt Hans Well seine Kritik musikalisch verpackt und dass er so angriffslustig geblieben ist, das verdient höchsten Respekt. Wenn eine Bürgerversammlung im Feuerwehrhaus mit den Wellbappn spannender wird als jeder „Tatort“ – das ist Kabarett auf höchstem Niveau. Entspannung vom Pointenfeuerwerk gönnten die Musiker sich und ihrem Publikum immer wieder mit instrumentalen Stücken im fliegenden Wechsel: Geigen, Gitarre, steirische Harmonika, Trompete, Tuba, Xylophon – auf der Bühne der Paartalhalle sah es aus wie im Musikladen. 

Von Goethes umgedichtetem Erlkönig bis zum Lied vom Straßenbahnschienenritzenreiniger: An diesem mitreißenden Abend gab es keine schwachen Nummern; rotzfrech und scharfsinnig analysierte das Quartett wo in Bayern überall der Wurm drin ist – exzellentes Musikkabarett, wie man es in Deutschland derzeit kaum anderswo findet! 

Auch das abschließende Schlaflied ließ die Zuhörer keineswegs beruhigt nach Hause gehen, denn Hans Well zeigte sich auch dabei ganz auf der Höhe der Zeit: „Fange ich zu träumen an, fliegen Schutzenglein heran: Wanzen, Trojaner, Viren knacken, observieren“.

Beifallstürme für die Wellbappn

Es ist in Oberbayern nicht anders als irgendwo in Franken. Das wurde beim Auftritt der Wellbappn in der ausverkauften Karl-Knauf-Halle in Iphofen deutlich.

von NORBERT HOHLER

Foto: NORBERT HOHLER

Main Post vom 28.02.2016

 

Es ist in Oberbayern nicht anders als irgendwo in Franken. Das wurde beim Auftritt der Wellbappn in der ausverkauften Karl-Knauf-Halle in Iphofen deutlich.

Wenn Nachbardörfer Fußball gegeneinander spielen, die sich nicht grün sind, dann sehen Manche rot: So wie neulich, als beim F-Jugend-„Freundschaftsspiel“ die Hausener 0:7 zurücklagen, gegen dieses unsägliche Ried, den Hauptfeind, mit einem Mittelstürmer, der einen Kopf größer war als der Rest. Blutgrätsche, Sanitäter, Tumult – das Ganze endet in einer wüsten Schlägerei von zehn Müttern aus Hausen gegen zehn aus Ried, mit Schirmen, Handtaschen, das volle Programm. Ende vom Lied: Sportplatz-Sperren für 20 Mütter, wenig später eine neue Abteilung im Hausener Sportverein: Frauen-Rugby.

Das Publikum kommt in der ausverkauften Karl-Knauf-Halle nicht aus dem Lachen raus, klatscht sich die Finger wund: Hans Well, früher Texter und Kopf der Biermösl-Blosn, ist jetzt mit seinen Töchtern Tabea (23) und Sarah (24) unterwegs. Für Jonas (20), den Bub, der endlich das Abi geschafft hat und grade um die Welt reist, spielt Sebastian mit.


AUF DEM WEG ZUR BIERMÖSL-BLOSN 2.0

HANS WELL UND DIE WELLBAPPN BEGEISTERTEN IM AIBLINGER KURHAUS - NEUES ALBUM VORGESTELLT

OVB vom 29.10.2015

von Hans Baumann

Bad Aibling - Unter einer "Bappn" versteht man im Bayerischen ein freches Mundwerk, das nicht unbedingt willkommen ist. Nicht so bei den Kindern von Ex-Biermösl Hans Well, mit denen er als "Wellbappn" seit drei Jahren in die Fußstapfen der 2012 aufgelösten, legendären "Biermösl-Blosn" tritt.

Unter dem Titel "Schneller" präsentierte das vielseitige Musikkabarett sein neues Programm und begeisterte die Zuschauer im vollen Kurhaussaal. Das Quartett setzte gleich zum Einstieg auf die Lokalkolorit-Karte unter anderem über das "Moorbaatzbad, wo "mancher gern a boarischs Wirtshaus häd", aber mangels Angebot zum Italiener oder Chinesen geht", über verhinderte Tempo 30-Zonen, Turnhallen voller Flüchtlinge, "ihre Freunde belauschende Amerikaner" und "wo die Ilse in da boarischn Tracht des Sudlfeld grinsend zur Sau macht".

Sie lästern über die vorerst fehlgeschlagene Autobahn-Maut ("Seehofer und sein Mautesel") und über die Schülerflut an bayerischen Gymnasien oder schildern mit (autobiografischen Zügen) eine turbulente morgendliche Fahrt zum Kindergarten.

Zu ihrem spitzzüngigen Programm zählen des Weiteren Szenen über das Abstimmungsverhalten in Gemeinderäten mit Mehrheitsfraktion und aus einer Bürgerversammlung mit dem Thema "Der Windpark und seine Gefahren" sowie das Hauen und Stechen unter den Müttern einer Nachwuchs-Fußballmannschaft.

Zum Thema Fußball fehlte ebenso wenig die Schwarze- Koffer-Debatte zum Sommermärchen 2006 ("Niersbach und ein falscher Zwanziger") wie die Anmerkungen zu den Salmonellen bei "Bayern-Ei". Schwer ins Gericht gehen die "Wellbappn" auch mit Politikern, die flugs in Posten in der freien Wirtschaft wechseln.

Köstlich auch die weiblichen Überlegungen über die Nachteile von Berufen ihrer potenziellen "Zukünftigen", die klerikale "Lesung aus dem Buche Bayern" und der pseudo-lateinische Chorgesang über die Euro-Krise.

Die - wie schon bei der "Biermösl-Blosn" - aus der Feder von Hans Well stammenden Texte wechseln von zart-bitter über beißend-ironisch bis zu deftig-kräftig ("korrupte Drecksau") und spannen einen Bogen von heiter-humorig bis nachdenklich-hintersinnig.

Doch Hans und seine Kinder Sarah, Tabea und Jonas brillieren nicht nur mit ihren Stimmen und Texten - sie zeigen ihre musikalische Virtuosität und instrumentale Vielseitigkeit unter anderem auch mit konzertanten Einlagen auf höchstem Niveau. Nicht nur mit ihrem Programm, sondern auch mit ihrer "generationsübergreifenden" Besetzung bringen sie frischen Wind in die Musikkabarett-Szene.

Über solche frechen "Bappn" freute sich nicht nur das Aibliger Publikum außerordentlich und erklatschte sich von der potenziellen "Biermösl-Blosn 2.0" als Zugabe ein sanft-böses Abendlied ("schlafe süß, weil's Internet o'zapft is"). 

Das Bayernland in Familienhand

Hans Well und seine Wellbappn singen und spotten im Brückenhaus über ihre Heimat und deren Politiker

Augsburger Allgemeine vom 18. März 2017

Neu-Ulm

Hauptsach, der Bua is gsund. Als die Sparkasse 2014 erstmals Hans Well und seine Wellbappn in die Region einlud – seinerzeit nach Senden – musste Junior Jonas passen: Er litt an der Kinderkrankheit Mumps. Beim zweiten Versuch war die Familienbande nun komplett und fit noch dazu: Im praktisch ausverkauften Brückenhaus-Saal hatten der Biermösl-Blosn-Mitbegründer Hans Well und seine Kinder Sarah, Tabea und Jonas viel Kritisches über das Bayernland und seine Großkopferten von König Horst bis Kaiser Franz zu sagen und singen. Aber immer so, dass es Spaß macht.

Das satirische Familien-Volksmusik-Satire-Ensemble dürfte auf den Kleinkunstbühnen ein Unikat sein. Und es ist unschwer zu übersehen oder -hören, dass sich die Well-Gene – drei von Hans’ Brüder und Ex-Biermösl-Kollegen treten noch immer zusammen mit Gerhard Polt auf (zuletzt im Edwin-Scharff-Haus), drei Schwestern sind als Wellküren unterwegs – auf die nächste Generation vererbt haben. Die drei Sprösslinge, Jahrgang 1991, 1993 und 1996, beherrschen ihre Instrumente, gleich, ob das Tuba, Akkordeon, Trompete oder Geige sind. Und sie frotzeln genauso gern wie der Papa. Entsprechend gut spielen sie sich auf der Bühne die Bälle zu: Die zierliche Tabea würde beruflich „am liebsten was mit Tieren machen, Metzger oder so“. Vater Hans: „Das passt zu ihrem Charakter, aber leider nicht zu ihrer Figur.“ Aber auch er selbst muss einstecken: So witzelt etwa Jonas am Ende, dass des Vaters Gicht im Laufe des Abends viel besser geworden sei: „Das Wunder von Neu-Ulm!“

Meistens geht es aber ziemlich (landes)politisch zu bei dieser Stubnmusi. Da macht Hans Well mit seiner Kinderschar da weiter, wo er mit der Brüder-Blosn aufgehört hat: Der Kampf gegen CSU und bajuwarischen Filz, der den Biermösln einst sogar einen Sendeboykott seitens des BR eingebracht hatte, ist noch nicht vorbei. Da wird Andreas Scheuer zum „Mastino aus Passau“ und bei Horst Seehofers Versprechen gilt: „Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht.“ Dafür bekommt Angela Merkel erstaunlich viel Liebe. Das wäre Hans früher wohl nicht passiert. Am besten und lustigsten sind die Wellbappn aber dann, wenn sie die Lebensart der (bayerischen) Provinz karikieren: Wenn das Feuerwehrjubiläum von der Pfingstflut weggespült wird oder wenn im Duell der Fußball-F-Schüler von Hausen und Ried am Ende nur noch der Schiedsrichter unverletzt ist. Aber auch die Schwaben bekommen einiges ab, vor allem im Anfangslied, das in Biermösl-Manier zum Derblecken des Gastgeberorts genutzt wird: Da wird Neu-Ulm zum „Nuxit-Erwartungsland“, wo „sich trennt, was nicht mehr zusammengehört“, und auch der Geiz der SPD-Fraktionschefin wird aufgespießt. Und die Sparkasse? Die bleibt fast verschont. Nur die zwei Töchter singen über ihre potenziellen Bräutigame: „Nana, an Banker mog i net.“ Trotzdem: Die vier dürfen wiederkommen. Die Well-Fans in Neu-Ulm würde es freuen. Denn sie wissen: „Der schwäbische Dialekt ist der erotischste auf der ganzen Welt.“ (mgo)


Nah dran an der bayerischen Gefühlswelt-Die Wellbappn und ihr umjubelter Auftritt

Politisch aktuell, nah dran am Konzertort und an der allgemeinen bayerischen Gefühlslage, mit einem Großaufgebot an Instrumenten: Das ist das Erfolgsrezept, mit dem die Wellbappn Waakirchen begeisterten.

Ungezügelt, intelligent, musikalisch auf höchstem Niveau: So begeisterte die Familie Well als Wellbappn das Publikum auf der Waakirchner Kleinkunstbühne.

von Alexandra Korimorth

Foto: Thomas Plettenberg

Miesbacher Merkur vom 11.03.2017

Waakirchen – Traditionell starteten die Wells – Papa Hans, Sohn Jonas, Tochter Sarah und Freund Sebastian, stellvertretend für Tabea, die ihr Geigenstudium gerade um ein Auslandssemester in Indien ergänzt, – mit einem Beschuss ihres Konzertortes. In Waakirchen, dem „Blinddarm des Tegernseer Tals“, nahmen sie den Wegfall des Biergartens und der Bühne beim Knabl zugunsten des Wohnungsbaus, die Schließung der vhs, die nackerte Venus und die geplante Umgehungsstraße aufs Korn.

Zugleich lobten die Musiker aber die Häuser, die Waakirchen so schnell für die Asylbewerber gebaut hat. Und damit waren sie schon mittendrin in den großen politischen Themen, die Bayern bewegen und gegen die es sich mit Harmonie (Gesangsverein), Eintracht (Fußballclub), „Bärwurz on the rocks“ (Burschenverein) und „Pina Colada“ (Katholischer Frauenbund) wappnet. Frei nach dem Motto: „Mit Ministranten aus dem Senegal, sind wir liberal.“

Mit einem Blick in die angewandte Gemeinderatsdemokratie zeigten die Wellbappn auf, wie Dorfentwicklung aussehen kann: Wenn der Dorfladen scheitert und durch einen Aldi weit draußen ersetzt wird, denkt man über die Belebung des Dorfes durch die Erweiterung des Friedhofs nach, unterstützt durch einen chinesischen Investor, der das neue Krematorium finanziert. Das sitzt. Das Publikum lacht und applaudiert und hat seinen Spaß, wenn es um das traditionelle Dorfleben geht.

„Die Welt ist in Aufruhr. Es herrscht eine Bedrohung durch die islamische Welt“, verkündet Sarah und visioniert vom Austritt Bayerns – inklusive antimuslimischer Mauer, Mautgebühr und Freibier, Gebirgsschützen in der Nato und Hoeneß als Präsident des bayerischen Steuerzahlerbundes. Mit Angelas kirchlich anmutendem Klagelied schießt das Quartett aus der Merkel-Perspektive gegen deren Widersacher: den Minister des Versagens (Seehofer), die oberbayerische Filzlaus (Dobrindt), die Wurst aus Würselen (Schulz).

Nicht nur thematisch ließen die Wellbappn nichts aus, auch musikalisch loteten sie alle Möglichkeiten der bayerischen Volksmusik aus: von Viergesang über Jodler und Landler bis hin zu rasant schnellen Stückln mit instrumentalen Soloeinlagen. Mit dem Waakirchner Gefangenenchor besang man nach dem Schlager „Aloha Heja“ die Klimaerwärmung und die Folgen für Bayern. Da wachsen im Bayerischen Wald die Palmen und das Allgäu wird zur Malaria-Zone.

Aber die Wells träumen noch von Gerechtigkeit, zum Beispiel davon, dass Trump in einem mexikanischen Slum wiedergeboren wird und es dann nicht über die von ihm selbst errichtete Mauer ins gelobte Land schafft. Mit kleinen, innerfamiliären Neckereien, Seitenhieben auf die Generation „Whats App“, den VW-Abgas-Skandal, den Brexit und – getarnt als predigthafte Lesung aus dem „Buche Bayerns“ – auf die Banca Bavaria, Ilse, die Hoffnungslose, Sigi, den Gwamperten, und Nahles, die Gschlamperte, ging schließlich ein umjubelter Abend zu Ende.

Stürmischen Applaus gab’s für diese intelligent-freche und aktuelle Themen-Mischung, die schon zu Zeiten der Biermösl Blosn zündete und für deren Texte Hans Well, neunter Spross der Musikerfamilie, verantwortlich zeichnet. Gut, dass Hans Well und seine Kinder auch weiter in bester Well’scher Tradition einfach ihre Bappn nicht halten können und so das politische Musik-Kabarett in die nächste Generation führen.


Tolle Musik und Texte für Kopf und Bauch

Nach zwei Stunden hatte das Publikum in Ursensollen von Hans Well und seinen Wellbappn immer noch nicht genug!

Von Andreas Brückmann

Mittelbayerische Zeitung vom 25.Mai 2017

URSENSOLLEN.Na, wenn das nicht einmal eine Premiere der ganz besonderen Art war! Hans Well dürfte vielen noch aus den Zeiten der Biermösl Blosn ein Begriff sein, für die er 35 Jahre Texte und Lieder schrieb. Nun ist er zusammen mit der „neuen Generation“ auf den Bühnen unterwegs, zusammen mit seinen Kindern als Wellbappn. Und dies nun zum ersten Mal auch im Kultur- und Begegnungszentrum Kubus in Ursensollen.

Vater Hans versprach zusammen mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas neuen, frischen musikalischer Satirewind, der die vier in einem locker, entspannten Gesangskabarett auf der Bühne vereint. Und die zahlreichen Besucher wurden nicht enttäuscht. Mit ihrem gut zweistündigen, generationsübergreifendem Programm kamen sie bestens an.

Sie sagen von ihrem Heimatsound, dass er zum bayerischen Gefühl auch Unterleib und Kopf nicht vergisst. Wohl wahr! Zur Hoeneß-Passion gesellt sich ein Fan-Lied kampfbereiter Mütter der Schülermannschaft von Hausen, zum Pfingstlied das notorische Tief aus dem Nordwesten. Die Genialität der „Ausländermaut“, der Gegenwind bei der Energiewende oder die von Gesellschaft und Presse völlig ignorierte Schutzbedürftigkeit von Verfassungsschutz oder BND werden – natürlich mit gebührender Hochachtung – besungen.

Und dies wird immer mit aktuellen Themen aus der Region verbunden. Da wurde die Verlegung von Grammer ins Ursensollener Gewerbegebiet eingebunden, genauso wie die Oberpfälzer Sprache. Denn: Wenn jemand wie ein Hund bellt, der hat bei den beiden Well-Mädels keine Chance zu landen. Aber auch die ausgleichende Gerechtigkeit wurde aktuell besungen, zusammengefasst: VW zahlt in Deutschland keine Entschädigung, dafür ist jetzt aber der VfL Wolfsburg aus der Bundesliga abgestiegen.

Die Texte sind teils bitterböse, teils liebevoll-spöttisch. Und dazu tolle Musik, die vom Talent der Vier restlos überzeugt. Da geht es nicht nur Bayerisch daher, irische und ungarische Klänge lagen auch in der Luft, meisterhaft durch jeden der Vier auf unterschiedlichsten Instrumenten vorgetragen. Schade, dass das Programm von Hans Well und seinen Wellbappn dann „nur“ zwei Stunden dauerte. Gerne hätte das Publikum noch mehr mitgenommen, aber nach drei Zugaben war endgültig Schluss. Hans Well und seine Kindern erhielten das, was sie sich redlich verdient hatten: Tosenden Applaus für ein rundum gelungenes und höchst unterhaltsames Programm! (ahk)