Wellbappn Videoclip 2017

Tolle Musik und Texte für Kopf und Bauch

Nach zwei Stunden hatte das Publikum in Ursensollen von Hans Well und seinen Wellbappn immer noch nicht genug!

Von Andreas Brückmann

Mittelbayerische Zeitung vom 25.Mai 2017

URSENSOLLEN.Na, wenn das nicht einmal eine Premiere der ganz besonderen Art war! Hans Well dürfte vielen noch aus den Zeiten der Biermösl Blosn ein Begriff sein, für die er 35 Jahre Texte und Lieder schrieb. Nun ist er zusammen mit der „neuen Generation“ auf den Bühnen unterwegs, zusammen mit seinen Kindern als Wellbappn. Und dies nun zum ersten Mal auch im Kultur- und Begegnungszentrum Kubus in Ursensollen.

Vater Hans versprach zusammen mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas neuen, frischen musikalischer Satirewind, der die vier in einem locker, entspannten Gesangskabarett auf der Bühne vereint. Und die zahlreichen Besucher wurden nicht enttäuscht. Mit ihrem gut zweistündigen, generationsübergreifendem Programm kamen sie bestens an.

Sie sagen von ihrem Heimatsound, dass er zum bayerischen Gefühl auch Unterleib und Kopf nicht vergisst. Wohl wahr! Zur Hoeneß-Passion gesellt sich ein Fan-Lied kampfbereiter Mütter der Schülermannschaft von Hausen, zum Pfingstlied das notorische Tief aus dem Nordwesten. Die Genialität der „Ausländermaut“, der Gegenwind bei der Energiewende oder die von Gesellschaft und Presse völlig ignorierte Schutzbedürftigkeit von Verfassungsschutz oder BND werden – natürlich mit gebührender Hochachtung – besungen.

Und dies wird immer mit aktuellen Themen aus der Region verbunden. Da wurde die Verlegung von Grammer ins Ursensollener Gewerbegebiet eingebunden, genauso wie die Oberpfälzer Sprache. Denn: Wenn jemand wie ein Hund bellt, der hat bei den beiden Well-Mädels keine Chance zu landen. Aber auch die ausgleichende Gerechtigkeit wurde aktuell besungen, zusammengefasst: VW zahlt in Deutschland keine Entschädigung, dafür ist jetzt aber der VfL Wolfsburg aus der Bundesliga abgestiegen.

Die Texte sind teils bitterböse, teils liebevoll-spöttisch. Und dazu tolle Musik, die vom Talent der Vier restlos überzeugt. Da geht es nicht nur Bayerisch daher, irische und ungarische Klänge lagen auch in der Luft, meisterhaft durch jeden der Vier auf unterschiedlichsten Instrumenten vorgetragen. Schade, dass das Programm von Hans Well und seinen Wellbappn dann „nur“ zwei Stunden dauerte. Gerne hätte das Publikum noch mehr mitgenommen, aber nach drei Zugaben war endgültig Schluss. Hans Well und seine Kindern erhielten das, was sie sich redlich verdient hatten: Tosenden Applaus für ein rundum gelungenes und höchst unterhaltsames Programm! (ahk)

Hans Well & Wellbappn – Bayern-Satire-Power vom Feinsten!

PLÄRRER

DAS STADTMAGAZIN

Dez.2016

Hans Well & Wellbappn: Das ist das Beste, was Bayern in Sachen Musik-Kabarett oder besser: Musik-Satire zu bieten hat! Well, schon immer der Kopf der verblichenen Biermösl Blosn gewesen, erwies sich in diesem Konzert als mittlerer Orkan des realsatirischen Wortwitzes – gesungen wie gesprochen. Und sein munteres Trio, bestehend aus zwei multiinstrumentalen Töchtern und Sohn an der Tuba, lässt ihn keineswegs alt aussehen. Im Gegenteil, sie ergänzen und verstärken einander mit enormer Energie und Spielfreude: Sarah, Tabea und Jonas. Glänzend die samt und sonders neuen, schön hohnlachenden Texte und Couplets von Hans Well: allesamt sehr konkrete Realsatiren darüber, wie Bayern-Insassen mit Ignoranz und Arroganz das süße Leben sauer werden lassen. Die Wellbappn: neue Meister der Moritaten über das Niedertrachtentum!

Nah dran an der bayerischen Gefühlswelt-Die Wellbappn und ihr umjubelter Auftritt

Politisch aktuell, nah dran am Konzertort und an der allgemeinen bayerischen Gefühlslage, mit einem Großaufgebot an Instrumenten: Das ist das Erfolgsrezept, mit dem die Wellbappn Waakirchen begeisterten.

Ungezügelt, intelligent, musikalisch auf höchstem Niveau: So begeisterte die Familie Well als Wellbappn das Publikum auf der Waakirchner Kleinkunstbühne.

von Alexandra Korimorth

Foto: Thomas Plettenberg

Miesbacher Merkur vom 11.03.2017

Waakirchen – Traditionell starteten die Wells – Papa Hans, Sohn Jonas, Tochter Sarah und Freund Sebastian, stellvertretend für Tabea, die ihr Geigenstudium gerade um ein Auslandssemester in Indien ergänzt, – mit einem Beschuss ihres Konzertortes. In Waakirchen, dem „Blinddarm des Tegernseer Tals“, nahmen sie den Wegfall des Biergartens und der Bühne beim Knabl zugunsten des Wohnungsbaus, die Schließung der vhs, die nackerte Venus und die geplante Umgehungsstraße aufs Korn.

Zugleich lobten die Musiker aber die Häuser, die Waakirchen so schnell für die Asylbewerber gebaut hat. Und damit waren sie schon mittendrin in den großen politischen Themen, die Bayern bewegen und gegen die es sich mit Harmonie (Gesangsverein), Eintracht (Fußballclub), „Bärwurz on the rocks“ (Burschenverein) und „Pina Colada“ (Katholischer Frauenbund) wappnet. Frei nach dem Motto: „Mit Ministranten aus dem Senegal, sind wir liberal.“

Mit einem Blick in die angewandte Gemeinderatsdemokratie zeigten die Wellbappn auf, wie Dorfentwicklung aussehen kann: Wenn der Dorfladen scheitert und durch einen Aldi weit draußen ersetzt wird, denkt man über die Belebung des Dorfes durch die Erweiterung des Friedhofs nach, unterstützt durch einen chinesischen Investor, der das neue Krematorium finanziert. Das sitzt. Das Publikum lacht und applaudiert und hat seinen Spaß, wenn es um das traditionelle Dorfleben geht.

„Die Welt ist in Aufruhr. Es herrscht eine Bedrohung durch die islamische Welt“, verkündet Sarah und visioniert vom Austritt Bayerns – inklusive antimuslimischer Mauer, Mautgebühr und Freibier, Gebirgsschützen in der Nato und Hoeneß als Präsident des bayerischen Steuerzahlerbundes. Mit Angelas kirchlich anmutendem Klagelied schießt das Quartett aus der Merkel-Perspektive gegen deren Widersacher: den Minister des Versagens (Seehofer), die oberbayerische Filzlaus (Dobrindt), die Wurst aus Würselen (Schulz).

Nicht nur thematisch ließen die Wellbappn nichts aus, auch musikalisch loteten sie alle Möglichkeiten der bayerischen Volksmusik aus: von Viergesang über Jodler und Landler bis hin zu rasant schnellen Stückln mit instrumentalen Soloeinlagen. Mit dem Waakirchner Gefangenenchor besang man nach dem Schlager „Aloha Heja“ die Klimaerwärmung und die Folgen für Bayern. Da wachsen im Bayerischen Wald die Palmen und das Allgäu wird zur Malaria-Zone.

Aber die Wells träumen noch von Gerechtigkeit, zum Beispiel davon, dass Trump in einem mexikanischen Slum wiedergeboren wird und es dann nicht über die von ihm selbst errichtete Mauer ins gelobte Land schafft. Mit kleinen, innerfamiliären Neckereien, Seitenhieben auf die Generation „Whats App“, den VW-Abgas-Skandal, den Brexit und – getarnt als predigthafte Lesung aus dem „Buche Bayerns“ – auf die Banca Bavaria, Ilse, die Hoffnungslose, Sigi, den Gwamperten, und Nahles, die Gschlamperte, ging schließlich ein umjubelter Abend zu Ende.

Stürmischen Applaus gab’s für diese intelligent-freche und aktuelle Themen-Mischung, die schon zu Zeiten der Biermösl Blosn zündete und für deren Texte Hans Well, neunter Spross der Musikerfamilie, verantwortlich zeichnet. Gut, dass Hans Well und seine Kinder auch weiter in bester Well’scher Tradition einfach ihre Bappn nicht halten können und so das politische Musik-Kabarett in die nächste Generation führen.


Gastspiel in „Hessisch Andalusien“

Mit frenetischem Jubel bedachte das Publikum in der voll besetzten Hinterbühne den Auftritt Hans Wells und des Ensembles "Wellbappn". Diese Reaktion erführen die Musiker besonders für das Angebot der bayerischen Gruppe, notfalls beim Hessentag einzuspringen - sollte es noch weitere Absagen geben. Foto: Volker Dziemballa

von Manuel Wenda

Mainspitze vom 06.02.2017

RÜSSELSHEIM - „Vielen Dank, und viel Erfolg für den Hessentag – wenn noch jemand absagen sollte, kommen wir“ – Mit frenetischem Jubel reagierte das Publikum in der voll besetzten Hinterbühne auf dieses Angebot Hans Wells, der dort mit seinem jungen Ensemble Wellbappn das neue Programm „Schneller“ präsentierte. 

Beginn bei der Gruppe Biermösl Blosn

Jahrzehntelang war Well mit zweien seiner Brüder beim Ensemble Biermösl Blosn aufgetreten. Legendär ist diese Gruppe, die in der bayrischen Volksmusiktradition vollkommen zu Hause war, und auf dieser Grundlage gegen die einflussreiche CSU und andere Autoritäten anmusizierte. Sie teilte sich die Bühne mit Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt, Hans Wells Texte wurden von seinen Brüdern begleitet und vertont.

Dann vor einigen Jahren der Neustart: Die Biermösl Blosn meinten, sich nicht mehr weiterentwickeln zu können, Well gründete mit seinen Kindern die Wellbappn. Wie der stolze Papa betont, sind Tabea, Sarah und Jonas avanciertere Instrumentalisten als er selbst, gemeinsam verschafften sie den Besuchern ihres Rüsselsheimer Gastspiels zweieinhalb sprühende, charmante wie kurzweilige Stunden. Auf die Stadt am Main waren die Vier bestens vorbereitet. Ein Gstanzl, wie man diese bajuwarische Form des Spottgesangs nennt, stellte Oberbayern und „Hessisch Andalusien“, Wells Bezeichnung für Rüsselsheim, einander gegenüber: Mit Erstaunen wurde die Absage des Auftritts eines gewissen Rappers im Rahmen des Hessentages aufgenommen: die salafistische Szene hätte doch gar nichts gegen dessen Kommen einzuwenden gehabt. Doch auch im Bayernland gibt es Malaisen, sie stehen freilich im Zentrum der Aufmerksamkeit der Wellbappn. Die Herzen der Musiker schlagen wohl eher links, ihre Stücke sind indes frei von ideologischer Aggression, ihr Spott wird von Hintersinn und Herzenswärme getragen.

Umwerfend war das Spiel auf Geige, Bratsche, Tuba und Akkordeon gepaart mit Hans Wells Gitarrenspiel. Einige zusätzliche Instrumentalstücke hätten dem Abend nicht geschadet.

Heimatverbundenheit und anarchistische Gesinnung

2011 erschien „Mittelreich“, ein Roman des Schauspielers Josef Bierbichler. In ihm gehen Heimatverbundenheit und anarchistische Gesinnung miteinander einher. Einen ganz ähnlichen Esprit, versetzt mit Einflüssen Karl Valentins und Oskar Maria Grafs, verströmten die Wellbappn in Rüsselsheim. Mangelnder Hochwasserschutz wurde komödiantisch besungen, Politisches fiel nicht unter den Tisch: Die Herren Seehofer, Dobrindt, Söder und Scheuer sind nach wie vor Ziele des Spotts Hans Wells. Dennoch: Die urwüchsige und vielgestaltige Volkskunst gewann erfreulicherweise die Oberhand, die Wellbappn würzen ihre Vorträge mit frischer, unverbrauchter Souveränität. Von diesem Ensemble ist noch viel zu erwarten. A-cappella-Einlagen gerieten ausdrucksstark. Schön war es dazu, einem so erlesenen Oberbayrisch zu lauschen, wie man es in hiesigen Gefilden recht selten zu hören bekommt.

Stehende Ovationen für die Wellbappn. Nach zwei Zugaben entschuldigte sich Hans Well: Er sei mit den Instrumenten aus Bayern heraufgefahren – „am Freitag“. So entließen die Hörer die Musiker und brachen ebenfalls auf.


Die Wellbappn singen schön böse Lieder

von Konstanze Crüwell
FAZ von 25 Januar 2017

Aus „familiären“ Gründen ist der CDU-Politiker Ronald Pofalla als Chef des Kanzleramts zurückgetreten, um nun doch auf eine neue, gut bezahlte Aufgabe zu gieren: „Für zwei bis drei Millionen im Jahr – Poveralli, Poveralla! / Jetzt hat die Bahn im Vorstandsladen – einen Oberleitungsschaden“, prangern die Wellbappn auf der Frankfurter Kabarettbühne Die Käs solche Karrieresprünge früherer Spitzenpolitiker an, die etwa auch Pofallas Fraktionskollege Eckart von Klaeden, Ex-Minister Dirk Niebel und noch einige mehr vollführten.

Wellbappn ist der Name eines jungen bayerischen Familienquartetts, das Hans Well, langjähriger Autor und Musiker der Biermösl Blosn nach deren Ende mit seinen Kindern gegründet hat: Tabea, die 1991 geborene Tochter, studiert Geige und Volksmusik an der Musikhochschule in München; ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sarah, Studentin im Fach Interkulturelle Kommunikation, bearbeitet bei ihren Auftritten Bratsche, Saxophon, Ukulele und Akkordeon durchaus professionell „und singt immer schöner“, wie es im Wellbappn-Flyer ganz richtig steht und es auch in der Käse zu hören war. Zu den Schwestern gesellt sich außerdem der 1996 geborene Jonas, Student der Politikwissenschaften, aber auch Musikus durch und durch, der im Alter von fünf Jahren mit dem Geigespiel seine musikalische Grundausbildung begann, der Cello und Kontrabass folgten. Sein Hauptinstrument, das er besonders gut beherrscht, ist allerdings die Trompete.

Das gute Einverständnis zwischen den Generationen bewies er, als er seinen Vater einmal mit freundlicher Ironie als „Nachwuchstalent des Rentner- und Invalidenvereins Hausens“ bezeichnete. Hans Well nahm es mit Fassung. Und einer der Höhepunkte des so unterhaltenden Wellbappn-Abends war die „Kindergartenrallye“, das von Jonas verfremdete Erlkönig-Lied: „Wer rast so früh durch Regen und Wind? / Es ist der Vater mit seinem Kind / Der Sohn sitzt hinten im Kindersitze / Der Vater fährt 180 Spitze“. So geht es weitere acht Strophen lang. Punkt acht Uhr musste das Kind im Kindergarten sein. „Sohn geht in den Kindergarten rein / Papa nach Hause ohne Führerschein.

Die Wellbappn haben sich mittlerweile als erfolgreiche und ernstzunehmende Nachfolger der Biermösl Blosn, jener legendären Kabarett-und-Musik-Band, etabliert. Denn mit ihrer oft schonungslosen Kritik an politischen Missständen und ihrer wahrhaft zu Herzen gehenden Volksmusik setzen Hans Well und seine musizierenden Kinder die Traditionen der Aufklärung und der Kultur ihrer Heimat so überzeugend fort, dass die Wellbappn als Vertreter wahren Bayerntums eigentlich von Horst Seehofer gewürdigt werden müssten. Vermutlich bietet er ihnen dann sogar das Du an.