zurück

Hans Wells Jahresrück- und -ausblick für die tz

tz vom 02.Januar 2015 Ex-Biermösl bläst Bayerns Politik den Marsch München - Ecclestone, Maut, Hoeneß, Klimaschutz, Pegida: Exklusiv für die tz wirft Ex-Biermösl Hans Well ein satirisches Auge zurück auf 2014 und erklärt, warum 2015 das Jahr der Narren und Prinzen wird.

Spätestens mit der Neujahrsansprache des Minister­präsidenten steht fest, dass die Zukunft von 2014 schon wieder Vergangenheit ist. Mal schaun, was sich im Haus der Bayerischen Geschichte wiederfindet, vermutlich wenig!

Nach dem tschechischen Doktortitel des neuen CSU-Generalsekretärs Dr. An­dreas Scheuer im Januar folgte für seine Partei als nächstes politisches Desaster im März 2014 die Kommunalwahl. Wieder wählten die Bürger dabei überwiegend keine Partei, sondern dummerweise Personen bzw. diese ab.

Im Landkreis Miesbach, der Trachtenstube Oberbayerns, musste die CSU im Landratsamt sogar einem vermeintlichen Grünen weichen, was aber eher am Geprotze des langjährigen Landrats hing. Jakob Kreidl hatte sich als Aufsichtsratsvorstand der Miesbacher Bürgerbank aus dem Sparkassenbeitl quasi per Amt circa 100.000 Euro für die Ausrichtung seines 60. Geburtstags selbst genehmigt.

Ein weiterer tragischer Fall aus der Darmsanierungsregion Tegernsee beschäftigte im Frühjahr Öffentlichkeit und Gerichte: Dem Nürnberger Würschtlkönig Uli Hoeneß, der als echter Schwabe für seine Millionen in der Schweiz Asyl gesucht hatte, wurde im Frühling der Prozess gemacht. Ende Mai wurde er inhaftiert.

Im Gegensatz zu Eon-, Ikea-, Amazon- oder Deutsche Bank-Managern und steuerlichen Luxem­bürgern. Sportfreund Bernie Ecclestone kaufte sich für 100 Millionen frei, die Manager der Bayerischen Landesbank kamen mit preiswerten 10.000 Euro für den 3,7-Milliardenverlust in Kärnten davon. Gar nicht auf der Anklagebank: verantwortliche Aufsichtsräte wie Stoiber, Huber, Faltlhauser und Beckstein. Ein Triumph bayerischer Gerechtigkeit!

Die Europawahl im Mai brachte der Staatspartei trotz des markigen CSU-Spruchs „Wer betrügt der fliegt“ einen Verlust von zehn Prozent. Der Einsatz der eurokritischen Haubitze Gauweiler erwies sich als Rohrkrepierer. Und während die CSU noch rätselte, ob Europa überhaupt mit der halbierten Schar von CSU-Abgeordneten existieren könne, präsentierte Dobrindt nach Pfingsten seinen Vorschlag für eine Ausländermaut.

Doch siehe da, der heilige Geist war nicht auf ihn hernieder gekommen. Sein Plan, Ausländer auf allen Wegen und Stegen abzukassieren, führte zum Aufstand parteieigener Landräte und der Schwesterpartei CDU gegen diesen „Schwachsinn“ (CDU NRW). Dobrindt und sein Gebieter standen da wie die Maut­esel. Im Herbst wurde dann aus dem Zurückrudern Alexander des Kleinen ein panischer Rückzug zur Autobahn­vignette, was den Imageschaden für die bayerische Depperlmaut noch vergrößerte. Im Juni erhielt Gustl Mollath einen Freispruch 2. Klasse. Beate Merk, die Eiskalte, stand nicht vor Gericht.

Im September trat schließlich Haderthauer, die von sozialem Engagement Getriebene, völlig reinen Herzens und mit dem Versprechen, wiederzukommen, zurück.

Das größte Tohuwabohu herrschte 2014 aber zweifellos beim Thema Energiewende. Nachdem Wirtschaftsminister Gabriel mit Hilfe Seehofers schon Photo­voltaik und Biogas den Garaus gemacht hatte, eliminierte Horst der Ingolstädter im November gleichzeitig zum Start eines ergebnisoffenen Energiedialogs mit den Bürgern per H 10-Abstandsregelung bayernweit den wichtigsten erneuerbaren Energieträger Windkraft. Gegen den Rat aller Fachleute.

Inzwischen kämpft er gegen seine einstigen Favoriten Pumpspeicher, Windkraft, Biogasanlagen und sogar die Stromtrassen, welche er im Bundesrat 2013 selber mit beschlossen hatte. Beim Seehofer weiß offenkundig die linke Gehirnhälfte nicht mehr, was die rechte macht, er befindet sich nicht nur in einer permanenten Koalition mit dem Volke, sondern auch in einem permanenten Koalitionsbruch.

Dabei geht’s beim Klimaschutz um Sein oder Nichtsein. Dann lieber sein lassen, da koalieren Angela, die Hinterpommerin, Sigi, der Gwamperte und Horst, der Windige, bei der Energiewende bestens. Nicht sein lassen sie dafür die Verstromung und Subvention der Braunkohle.

Währenddessen widerstand ein kleines Dorf in den bayerischen Bergen dem Klimawandel: mit einem riesigen Beschneiungsstausee am Sudelfeld für bis zu 270 Schneekanonen. Damit, meinen Liftbetreiber und Bürgermeister, kommt man gegen Klimawandel und Mega-Ski­gebiete in den Zentral­alpen an. Niemand mit einem Fünferl Hirn im Kopf hätte angesichts der Klimaerwärmung da auch bloß einen Euro investiert. Niemand? Die Ilse Aigner schon! Jedenfalls schmiss sie diesem Schildbürger-Projekt locker ein paar Millionen Steuergelder hinterher. Sind ja nicht die ihren! Ist aber ihr Wahlkreis.

Dass am 11. November die Münchner Narrhalla verkündete, den Karl-Valentin-Orden 2015 an den Heino zu verleihen, überraschte nicht wirklich. Man fragte sich bloß, wann endlich der Putin dran ist! Bei der Serie von Humorgranaten wie den Klitschkos, Ratzinger, Stoiber kann man Karl Valentin bloß noch dazu gratulieren, dass er das nicht mehr erleben muss.

Namensmissbrauch gab’s 2014 aber auch an höchster Stelle. Dass Demonstranten von Pegida im Dezember in Dresden, Würzburg usw. ausgerechnet Weihnachtslieder – die ja für Toleranz und Miteinander stehen – missbrauchten, wird dem Kindlein im Stall bestimmt nicht gefallen.

Dabei unterscheidet das christliche Pegida-Kalifat Dresden weniger vom IS, als sie glauben. München zeigte mit über 10.000 Gegen­demonstranten, was eine liberale Stadt von solchen Dumpfbeuteln hält. Und die bayerische Regierung? Hält’s mit beiden. Seehofer lobt in seiner Neujahrs­ansprache Flüchtlingshelfer, Innenminister Hermann umwirbt mit radikalen Sprüchen Pegida-Marschierer. Das ist Arbeitsteilung à la CSU.

Und die Aussichten für 2015? Da schaut‘s rosig aus für Straßenbaufirmen. Zuverlässig wird jährlich wieder die Fläche vom Chiemsee unter Beton und Teer verschwinden. Die Regierung hält offenkundig die A 94 für schön, was sie stört, ist das Isental! 2015 geht’s auf mit der B 15, schließlich müssen neue Autobahnen schneller gebaut werden als die alten zerbrösln.

Mein Rat für 2015: Positiv denken! Wenn Lokführer streiken, hat das den Neben­aspekt, dass S-Bahn-Verspätungen kalkulierbarer sind. Damit einhergehende Preiserhöhungen seitens des MVV vermitteln die Gewissheit, dass wenigstens irgendwas pünktlich kommt. Und wenn am 15. April 2015 die Milchkontingentierung fällt, ist damit für familiäre Bauern die Frage „Wachsen oder Weichen“ endgültig beantwortet! Kein guter Tag fürs Oberland, aber für die Firmen, die unser Grundwasser aufbereiten.

Und die Nachfolgefrage: Haderthauer ist in Hadertrauer ausgeschieden. Ilse, die Gebenedeite, hat sich bei der Lösung der Energiewendefrage eher für geeignet als Dirndlkönigin von Schneizlreuth erwiesen. Übernimmt also der stark schmutzelnde Heimatminister Söder oder übergibt der Horst am Ende seinen Erbhof Bayern an sich selber? Oder übernimmt einmal ganz wer anderer? Wie wär‘s, liebe Leser, wenn Sie das entscheiden? Ein gutes Neues!